
Unfallserie auf A 7: 1 Toter (15.12.2006)
Bei einer Serie von sechs Verkehrsunfällen auf der
Bundesautobahn 7, zwischen dem Autobahndreieck Drammetal und der
Anschlussstelle Göttingen in Fahrtrichtung Hannover, wurde eine Person
getötet und 33 weitere verletzt, davon 28 schwer. An den Unfällen waren 26
Pkw, sechs Lkw und ein Bus beteiligt.
Auslöser war ein Auffahrunfall, durch den sich ein Rückstau gebildet hatte.
Am Stauende kollidierten vier Lkw und ein Pkw, bei dem der Tank eines Lkw
aufgerissen wurde - 200 Liter Dieselkraftstoff sickerten durch den
offenporigen Asphalt in das Erdreich und in das angrenzende
Regenrückhaltebecken. Neben der Feuerwehr wurde der
Gewässerschutzbeauftragte alarmiert. Weitere 400 Liter Kraftstoff konnten
durch die Feuerwehr rechtzeitig umgepumpt werden. Es bildete sich ein
weiterer Rückstau.
Der schwerste Unfall ereignete sich dann am Stauende bei Kilometer 271, als
ein VW Golf in das Heck eines stehenden Reisebusses einer Sportlergruppe
prallte. 12 von den 37 Businsassen wurden dabei verletzt und in umliegende
Krankenhäuser transportiert - der Golffahrer aus Hannover wurde in seinem
Fahrzeug eingeklemmt und erlitt schwerste Verletzungen. Nach der Rettung mit
hydraulischem Gerät wurde er in ein Krankenhaus verbracht. Dort erlag er
jedoch seinen Verletzungen.
Die 25 unter Schock stehenden Insassen des Reisebusses wurden von einem
angeforderten Stadtbus der Göttinger Verkehrsbetriebe in das Feuerwehrhaus
Rosdorf transportiert und dort betreut. Die Schnelle Einsatz Gruppe (SEG),
bestehend aus dem Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), Roten Kreuz, Malteser
Hilfsdienst und Johanniter Unfallhilfe, versorgten die Personen zusammen mit
freiwilligen Helferinnen von Feuerwehrleuten mit Kaffee, Kuchen und warmem
Essen. Der Notfallseelsorger, Pfarrer Martin Steinberg, stellte sich für die
Verarbeitung der schwierigen Situation zur Verfügung und sprach mit den
Beteiligten.
Im nachfolgenden Verlauf des Staus ereigneten sich drei weitere Unfälle.
Dabei krachten einmal fünf und einmal 13 Personenwagen ineinander. 15
Personen wurden dabei verletzt. Bei dem in der Reihenfolge vierten Unfall
wurden zwei Kinder und drei Erwachsene verletzt und ebenfalls in ein
Göttinger Krankenhaus verbracht.
Ein eingesetzter Polizeihubschrauber filmte und fotografierte den
betroffenen Abschnitt der Autobahn.
Einsatzleiter Martin Willing koordinierte sämtliche Maßnahmen vor Ort,
wodurch der reibungslose Ablauf gewährleistet wurde. "Die Zusammenarbeit
zwischen allen Einsatzkräften verlief sehr gut. Auch das Abarbeiten der
einzelnen Situationen wurde von allen Rettungskräften hervorragend
bewältigt", lobte Willing. Die Unfälle ereigneten sich innerhalb weniger
Minuten, wodurch die Koordination und der Einsatz der Helfer besonders stark
gefordert wurde.
Nach ersten Schätzungen liegt der Sachschaden vermutlich
im sechsstelligen Bereich. Für die Bergungsarbeiten musste die Autobahn für
dreieinhalb Stunden voll gesperrt werden. Es kam zu erheblichen
Behinderungen, auch auf den Ausweichstrecken.
Die am Gerätehaus in Rosdorf betreuten Personen wurden von einem Ersatzbus
aus Stuttgart aufgenommen und konnten gegen 19.25 Uhr ihre Reise zu einem
Sportseminar fortsetzen. Der Reiseleiter lobte den professionellen Ablauf
und die freundliche Betreuung in Rosdorf und bedankte sich im Namen aller
Mitreisenden.
Einsatzende war um 19.25 Uhr.
Die eingesetzten Rettungskräfte waren mit insgesamt 157 Personen und 58
Fahrzeugen, sowie mit zwei Hubschraubern im Einsatz
(Rettungsdienste: 68, Feuerwehr: 29, Feuerwehr Bereitschaft: 38 und Polizei:
22). Im einzelnen waren dies die Ortsfeuerwehren Rosdorf, Obernjesa, Groß
Schneen und Friedland sowie die Berufsfeuerwehr Göttingen, der Göttinger
Rettungshubschrauber Christoph 44, ein Polizeihubschrauber, die
bodengebundene Polizei, der Rettungsdienst Göttingen, die SEG Rettung und
Betreuung, die Autobahnmeisterei und die Untere Wasserbehörde des
Landkreises Göttingen.
Auf einer Umleitungsstrecke bei Dransfeld prallten am Abend zwei Frauen mit ihren Pkw frontal ineinander und trugen schwerste Verletzungen davon. Sie mussten von den Feuerwehren Dransfeld und Hann. Münden aus ihren Autos befreit werden (siehe Einsatzbericht).

Der VW prallte mit voller Wucht gegen den Reisebus.


Es bildete sich ein sehr langer Rückstau, in dem sich weitere Unfälle ereigneten.



Zwei Kräfte der SEG bei der Vollzähligkeitskontrolle der betreuten Personen am Feuerwehrhaus Rosdorf

Gemeindebrandmeister Martin Willing verabschiedete die Sportler persönlich und wünschte eine gute Weiterfahrt. Bedankt wurde sich mit viel Applaus für die freundliche Aufnahme und den professionellen Ablauf.

Der betreffende Autobahnabschnitt aus der Luft.
Fotos: Stefan Rampfel (6), Michael Pritzkow (2), Text: Michael Pritzkow