Polytanol: 24 Personen verletzt (19.09.2007)


Insgesamt 24 Personen, darunter auch viele Kinder, mussten am Mittwochabend nach einer chemischen Reaktion im Maschmühlenweg vorsorglich in das Göttinger Universitätsklinikum eingeliefert werden.

Gegen 19.45 Uhr meldeten Anwohner der Feuerwehr über Notruf 112 Gasgeruch auf der Straße. Kinder hatten zuvor ein Pulver in eine angrenzende Wasserpfütze geschüttet, wo es zu einer chemischen Reaktion kam. Bei dem Pulver handelte es sich um Polytanol, welches als Ratten- und Mäusegift eingesetzt und bei Berührung mit Wasser zu einem giftigen Gasgemisch wird.

Erste Befragungen ergaben, dass die Kinder die platt gefahrene Dose von der Straße aufgesammelt hatten. Wie diese dort hingekommen ist, ist unklar. Von dem vor Ort eingesetzten Leitenden Notarzt (LNA) sind die unmittelbaren Anwohner, von denen einige über Atemwegsprobleme klagten, vorsorglich in ein Krankenhaus eingeliefert worden. Dabei handelte es sich zum Großteil  um Kinder. Dazu wurde von den Göttinger Verkehrsbetrieben ein Stadtbus angefordert.

Die Berufsfeuerwehr Göttingen hat mit Chemikalienschutzanzügen (CSA) die Reste der Dose sowie die Flüssigkeiten beseitigt und das Gelände wie auch die Straße großflächig gereinigt. Vor Ort war neben der Hauptwache auch die Uniwache mit dem GWG 2. Die Polizei hat ihre Ermittlungen aufgenommen. Die Straße war längere Zeit voll gesperrt.

Neben den 24 Personen, unter denen sich 19 Kinder und Jugendliche im Alter von 3 bis 16 Jahren befanden, sind auch zwei Polizeibeamte, die zuerst am Einsatzort eintrafen, vorsorglich über Nacht zur Beobachtung in das Krankenhaus eingewiesen worden. Glücklicherweise zeigte sich nur bei einem Kind für kurze Zeit eine Vergiftungserscheinung, so dass alle Personen am Donnerstag Morgen aus dem Krankenhaus entlassen werden konnten.  


Herkunft des Giftes geklärt

Die Herkunft des Ratten- und Wühlmausgiftes Polythanol, mit dem Kinder am Abend des 19. September 2007 in der Straße Maschmühlenweg spielten und anschließend neben weiteren Personen in ein Krankenhaus eingeliefert werden mussten (siehe unsere Meldungen 1117 und 1118), ist geklärt.

   Zwei Männer im Alter von 34 und 72 Jahren aus Göttingen, die ebenfalls im Bereich des Maschmühlenweg wohnen, stehen im Verdacht, das Gift bei einer Hausentrümpelung in Barterode mitgenommen zu haben. Anstatt einer ordnungsgemäßen Entsorgung haben sie den Karton, indem sich das Polythanol befand, neben einem Abfallbehälter im Maschmühlenweg abgestellt. Dort haben es den Ermittlungen zu Folge die Kinder gefunden und damit gespielt, bis es zu der chemischen Reaktion kam. Erste Vernehmungen ergaben, dass die Männer nicht gewusst haben wollen, um was es sich in dem Karton handelte. Auf die Spur der Männer sind die Beamten gekommen, nachdem sie weiteren Müll aus den Containern gesichtet hatten und über einen dabei vorgefundenen Lieferschein den Weg zur Wohnungsentrümpelung nachvollziehen konnten. Gegen beide Männer sind Verfahren wegen umweltgefährdender Abfallbeseitigung und schwerer Gefährdung durch Freisetzen von Giften eingeleitet worden.

 

Die Verletzten werden mit einem Stadtbus ins Uniklinikum transportiert.

 

 

 

 

Einastzkräfte der Göttinger Berufsfeuerwehr gehen mit Chemieschutzanzügen vor.

 

Dr. Markus Roessler war als Leitender Notarzt vor Ort.

 

 

 

Verstaut in ein Fass wird das Polytanol abtransportiert.

 

Fotos: Stefan Rampfel

 

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