
Chemieunfall in Schule: 13 Verletzte (02.06.2008)
Einsatz für den Chemiezug der Göttinger
Berufsfeuerwehr am Montag Morgen kurz nach Unterrichtsbeginn. Bei einem
Salpetersäureunfall während des Chemieunterrichts sind gegen 08.30 Uhr im
Felix-Klien-Gymnasium in Göttingen zwölf Schülerinnen und Schüler sowie ein
Lehrer durch das Einatmen von Dämpfen bzw. Säurespritzer verletzt worden. Sie
wurden mit mehreren Rettungswagen in die Universitätsmedizin Göttingen (UMG)
eingeliefert. Der Leitende Notarzt war vor Ort. Ein weiterer Pädagoge und elf
Mitschülerinnen und -schüler kamen vorsorglich zur Begutachtung mit einem
Stadtbus in das Evangelische Krankenhaus Weende. Dieser wurde durch Polizeiwagen
mit Sonder- und Wegerechten begleitet. Die Verletzungen sind glücklicherweise
nicht gravierend, wie die Polizei am Abend mitteilte. Weil es sich aber um eine
so genannte "beobachtungspflichtige Intoxikation" handelt, müssen die Verletzten
bis Dienstag im Krankenhaus bleiben. Wie es zu dem Unglück kommen konnte, ist
nach Polizeiangaben noch unklar. Kurz vor dem Ende der ersten Unterrichtsstunde
explodierte aus noch ungeklärten Gründen vermutlich nach einer heftigen
chemischen Reaktion ein Glasbehälter, in dem sich rund anderthalb Liter
Salpetersäure befanden. Die Chemikalie trat dabei bis in etwa zwei Meter Höhe
aus.
Unmittelbar nach dem Vorfall wurde die Schule von der Feuerwehr komplett
evakuiert. Zu diesem Zeitpunkt hielten sich rund 1.100 Schülerinnen und Schüler
in dem Gebäude auf. Der Unterricht wurde durch Schulleiter Dr. Thomas Häntsch
abgesagt. Einsatzkräfte der Feuerwehr gingen mit schwerem Atemschutz in das
Gebäude vor, später leiteten sie eine Druckbelüftung ein. Ebenfalls vor Ort war
die Technische Ermittlungsgruppe Umwelt (TEGU) der Polizeidirektion Göttingen.
Sie hat die weiteren Ermittlungen zur Ursache des Unfalls übernommen. Der
betroffene Unterrichtsraum im Hochparterre des Schulgebäudes wurde zunächst
begutachtet, später versiegelt und von der Polizei beschlagnahmt. Das
Gewerbeaufsichtsamt wurde eingeschaltet. Insgesamt waren etwa 40 Einsatzkräfte
von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei vor Ort. Die Freiwilligen Feuerwehren
Geismar und Weende waren während des Einsatzes in Bereitstellung.
Salpetersäure ist eine Sauerstoffsäure des Stickstoffs. Der Name leitet sich vom Salpeter ab, aus dem sie durch Zugabe einer stärkeren Säure gewonnen werden kann. Salpetersäure liegt in wässriger Lösung vor. Als starke anorganische Säure zählt sie zu den Mineralsäuren. Salpetersäure ist in reinem Zustand farblos. Konzentrierte Salpetersäure zersetzt sich jedoch leicht (besonders unter Lichteinwirkung) und hat aufgrund des in ihr gelösten Stickstoffdioxids oft einen gelblichen oder rötlichen Farbton. Salpetersäure wirkt stark oxidierend und kann manche leicht brennbare Stoffe entzünden.
Die Evakurierung der 1100 Schüler verlief vorbildlich und ohne Hektik.
Auf dem Schulhof spricht Schulleiter Dr. Thomas Häntsch mit einem Megaphon zu den Schülern
Zwei verletzte Schülerinnen werden zu einem Rettungswagen geleitet.
Unter umluftunabhängigem Atemschutz gehen Einsatzkräfte in den Chemieraum vor.
Der betroffene Chemieraum befindet sich in der Hochparterre, wo die Fenster geöffnet sind.
Elf weitere Schülerinnen und Schüler sowie ein Lehrer wurden zur Beobachtung in das Weender Krankenhaus gefahren. Dazu wurde ein Stadtbus eingesetzt.
Schulfrei am FKG
Der betroffene Chemieraum
Ein Polizeikommissar versiegelt den Raum.
Fotos: Stefan Rampfel