Drei Chemie-Einsätze in drei Tagen (09./10./11.07.2008)


Zu gleich drei Chemieeinsätzen mussten die Feuerwehren in den vergangenen drei Tagen ausrücken. Am Mittwoch Nachmittag kam es gegen 15 Uhr zu einem Zwischenfall im Kellervorraum bei der Abklinganklage der Abteilung Nuklearmedizin im Bettenhaus 2 des Universitätsklinikums Göttingen. Ein blauer 30-Liter Kanister mit Desinfektionsmittel ist geplatzt, dabei floss Flüssigkeit aus und es erfolgte eine chemische Reaktion. Ein Mitarbeiter der Abteilung Nuklearmedizin entsorgte den Kanister. Der Mitarbeiter wurde wegen leichter Atembeschwerden in der Notfallaufnahme der Universitätsklinik vorsorglich untersucht. Er konnte schon wenig später wieder entlassen werden. Der Abteilungsleiter verständigte umgehend die Feuerwehr.

Die Einsatzkräfte der Uniwache und der Hauptwache Breslauer Straße rückten an. Beim Versuch, die ausgelaufene Chemikalie zu binden, hat das Gemisch reagiert. Da es unklar war, warum es zu dieser chemischen Reaktion gekommen war, hat die Feuerwehr die Chemikalie in einen großen Stahlbehälter umgefüllt und nach draußen auf die Wiese vor dem Bettenhaus gebracht. Das Gelände wurde weiträumig abgesperrt, ein unabhängiges Analyselabor hinzugezogen und die Giftinformationszentrale Nord eingeschaltet. Zu keiner Zeit hat eine Personen- oder Patientengefährdung bestanden.

Die Flüssigkeit wurde im Verlauf des Nachmittags und Abends von der Feuerwehr chemisch gebunden und anschließend in das Zentrale Sammellager für chemische Stoffe der Universität und der  Universitätsmedizin verbracht. Wieso es zu einer chemischen Reaktion mit dem Desinfektionsmittel kam, wird zur Zeit noch geprüft. Die Technische Ermittlungsgruppe Umwelt (TEGU) der Polizeidirektion Göttingen war vor Ort und hat die Ermittlungen aufgenommen.

Der nächste Chemieunfall ereignete sich dann in der Nacht zum Donnerstag gegen 1.20 Uhr. Zur Unterstützung der Berufsfeuerwehr wurde der Gefahrstoffzug der Freiwilligen Feuerwehr Göttingen in die Industriestraße alarmiert. Auf dem Gelände einer Spedition tropfte von einer Lkw-Wechselbrücke, die von Arbeitern geöffnet wurde, eine Flüssigkeit. Bei der Flüssigkeit handelte es sich um 31-prozentige Salzsäure. Die Salzsäure war auf der Wechselbrücke in 40 Fünf-Liter Kanistern auf einer Holzpalette verladen, von denen einer beschädigt war. Mit zwei Trupps, ausgerüstet mit Chemikalienschutzanzügen (CSA), wurde der undichte Kanister geborgen und in einem Überfass gesichert. Vom Gefahrstoffzug war ein CSA-Trupp im Einsatz. Zusätzlich stellte der Gefahrstoffzug den Brandschutz sicher und unterstütze die Berufsfeuerwehr beim Dekontaminationsplatz.

Einsatz Nummer 3: Im Freibad Weende ist am Freitag Abend gegen 19.20 Uhr eine unbekannte Menge Chlorgas in einem Technikgebäude aus einer kaputten Dichtung einer Gasflasche ausgetreten. Es waren aufgrund des Zeitpunkts und des Wetters nur noch wenige Gäste im Freibad, von denen keiner verletzt wurde. Durch das umsichtige Handeln des Schwimmmeisters wurden die Gäste sofort aus dem Gefahrenbereich geschickt und die Feuerwehr alarmiert. Im Einsatz war die Berufsfeuerwehr Göttingen mit dem Chemiezug, der Gefahrstoffzug der Freiwilligen Feuerwehr Göttingen und die Freiwillige Feuerwehr Weende mit insgesamt etwa 40 Einsatzkräften. Hubert Henne, Einsatzleiter der Feuerwehr, sagte: "Wir sind mit Chemikalienschutzanzügen vorgegangen, haben die Chlorgasflasche geschlossen und ständig Messungen durchgeführt." Die Einsatzkräfte des Gefahrstoffzuges übernahmen den Aufbau des Dekontaminatonsplatzes.


Einsatz Industriestraße

Ein Trupp vom Gefahrstoffzug rüstet sich mit Chemikalienschutzanzügen (CSA) aus

 

Einer von den Kanistern auf der Holzpalette war undicht

 

Der CSA-Trupp beim Suchen des undichten Kanisters

 

Der CSA-Trupp vom Gefahrstoffzug auf dem Weg in den Gefahrenbereich

 

Der erste CSA-Trupp beim Entkleidungsplatz

 

Der undichte Kanister wurde in einem Überfass gesichert

Fotos: Andreas Vielmäder


Einsatz Freibad Weende

 

 

Der Gefahrstoffzug baut das Duschzelt auf.

 

 

Einsatzkräfte unter CSA am Technikgebäude

 

 

 

 

Fotos: Stefan Rampfel

 

Zurück