
Gemeinden bezuschussen Lkw-Führerschein für Feuerwehren
"Als Frau eine Ehre, die Feuerwehrfahrzeuge fahren
zu dürfen"
Gemeinden bezuschussen Lkw-Führerschein für
Feuerwehren
Seit Januar 1999 gibt es den neuen EU-Führerschein und damit ein Problem für die Freiwilligen Feuerwehren in Deutschland - auch im Landkreis Göttingen. Mit der neuen Fahrerlaubnisklasse B (Pkw) dürfen nur noch Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen gefahren werden. Ein Großteil der Feuerwehrfahrzeuge wiegt jedoch mehr und ist somit für den Feuerwehrnachwuchs tabu. Mit der alten Führerscheinklasse 3 (bis 7,5 Tonnen) durften diese Fahrzeuge noch gefahren werden. Die Gemeinden als Träger der Feuerwehr sind nun in der Pflicht, die Fahrausbildung - auch finanziell - zu ermöglichen.
"Der Kreisfeuerwehrverband Göttingen hat eine Ausschreibung in 14 Fahrschulen in Stadt und Landkreis durchgeführt, eine Bovender Fahrschule bekam schließlich den Zuschlag und führt nun die Fahrausbildung für die Klasse C und C1 durch," erklärt Karl-Heinz Niesen, Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes. Aus dem Bovender Gemeindegebiet nehmen in diesem Jahr sieben Feuerwehrleute an der Fahrausbildung teil. Mit dem Bestehen des Lkw-Führerscheins dürfen sie dann alle Feuerwehrfahrzeuge bewegen, was mit einem Klasse B-Führerschein nicht möglich gewesen wäre. "Maximal 900 Euro werden als Zuschuss von der Gemeinde übernommen," sagt Markus Füllgrabe, Bovendens Gemeindebrandmeister. "Im Gegenzug müssen sich die Führerschein-Bewerber für acht Jahre bei der Feuerwehr verpflichten." Diese Ausbildung soll kontinuierlich weiterlaufen. Für viele Jugendliche könnte es ein Anreiz sein, dadurch in die Feuerwehr einzutreten.
In der Gemeinde Gleichen sieht die Bezuschussung ähnlich aus. "Die Verwaltung übernimmt zwei Drittel der Führerscheinkosten. Dafür müssen sich die jungen Feuerwehrleute für sieben Jahre verpflichten," beschreibt Gemeindebrandmeister Heiko Böhlken die Situation. Damit hat Julia Lormis (21) aus Rittmarshausen keine Probleme. Als Tochter des Ortsbrandmeisters macht ihr die freiwillige Arbeit in der Feuerwehr Spaß. Nachdem sie Anfang Dezember ihren Lkw-Führerschein bestanden hat, stehen nun Einweisungsfahrten auf den beiden Rittmarshäuser Feuerwehrfahrzeugen an. Markus Stein, stellvertretender Ortsbrandmeister, erklärt Julia während einer Fahrt durch das Gemeindegebiet, wie man das 7,5-Tonnen-schwere Tanklöschfahrzeug fährt. "Die Kurven nicht schneiden!" Und: "Immer schön weit in die Kreuzung reinfahren!" Für Julia ist es eine Ehre, als ersten Feuerwehrfrau in Rittmarshausen die Fahrzeuge fahren zu dürfen. Wichtig sei aber die regelmäßige Fahrpraxis, so Stein. Nur in die Fahrzeughalle darf Lormis nicht einparken. "Das dürfen hier nur ganz wenige, das ist richtige Millimeterarbeit," erzählt der stellvertretende Ortsbrandmeister und weist damit auf die Enge im Feuerwehrhaus hin. Aber das ist eine andere Geschichte.
Julia Lormis (21) aus Rittmarshausen während einer Einweisungsfahrt auf dem TLF 8
Markus Stein, stellvertretender Ortsbrandmeister, gibt Hilfestellung
André Siebert (19) aus Bovenden vor einer Fahrstunde
Die Fahrausbildung wurde auf dem Mercedes Benz Actros durchgeführt
Auf einer Überlandfahrt nach Höxter: Fahrlehrer Jörn Frommhold mahnt zu langsameren Fahren. Sieberts ironische Antwort: "Ich muss doch schon mal für die Feuerwehr-Einsatzfahrten üben!"
Bestanden: Fahrerlaubnisprüfer Thomas Müller (TÜV Nord) übergibt den Führerschein