
Fotostory: Brandsicherheitswachdienst
Aufführung im Theater, Party im ZHG oder Großveranstaltung in der Lokhalle - bei all diesen Veranstaltungen sind immer viele Besucher anwesend. Was jedoch fast keiner weiß: Auch die Feuerwehr ist bei diesen Events dabei und sorgt mit ihrer Anwesenheit für die Sicherheit. Laut Niedersächsischer Versammlungsstättenverordnung (NVStättVO) müssen bei Veranstaltungen in geschlossenen Gebäuden mit mehr als 200 Besuchern Brandsicherheitswachen gestellt werden. Genauso ist es auch in Göttingen, wie beispielsweise im Deutschen Theater, wo es im "Großen Haus" etwa 500 Sitzplätze gibt. In dieser Fotostory werden exemplarisch zwei Brandsicherheitswachdienste dargestellt.
Im Theater sind immer drei Posten anwesend. Der Posten 1 wird von der Berufsfeuerwehr Göttingen gestellt, die Posten 2 und 3 von je einer Ortsfeuerwehr der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Göttingen. Während Posten 1 und 3 ihre Sitzplätze - unbemerkt vom Publikum - neben der Bühne auf der Stadtseite (links neben der Bühne) haben, sitzt Posten 2 auf der so genannten Landseite (also rechts neben der Bühne). Auf jeder Seite der Bühne muss laut Versammlungsstättenverordnung für die Posten ein Platz mit einer Grundfläche von mindestens 1 mal 1 Meter und einer Höhe von mindestens 2,20 Meter vorhanden sein. Die Bühne muss überblickt und betreten werden können.
Doch bevor hier die Plätze eingenommen werden, stehen die Rundgänge vor jeder Veranstaltung auf dem Plan. Posten 2 begeht dabei das "Vordere Haus". Dabei handelt es sich um die Hauptaufgänge zum 1., 2. und 3. Rang und die Fluchttreppenhäuser. Hier wird der ordnungsgemäße Zustand der Wandhydranten samt Feuerlöschern überprüft. Wichtig dabei ist, dass die Strahlrohre geschlossen sind, der Feuerlöscher gesichert und verplombt und somit stets einsatzbereit ist. Im weiteren Verlauf des Rundganges von Posten 2 muss die Notbeleuchtung der Treppenstufen auf den Rängen und die Notausgangsbeleuchtung kontrolliert werden. Auch die Feuerwehrzufahrt ist zu beachten, damit sie nicht durch parkende Pkw zugestellt wird.
Zeitgleich überprüft Posten 3 das "Hintere Haus". Hier führt der Weg ebenfalls durch Treppenhäuser, wo die Wandhydranten kontrolliert werden, aber auch auf die Unterbühne und den Schnürboden direkt über der Bühne. Dabei geht sein Weg durch sehr verwinkelte Gänge, die der Besucher gar nicht zu Gesicht bekommt. Wichtig ist dabei, dass die Rauchabschlusstüren (zum Beispiel zu den Umkleiden oder der Maske) nicht verkeilt sind, denn dies kommt regelmäßig vor. Weiterhin darf die hintere Ausgangstür zum Parkplatz nicht verschlossen sein, weil diese im Ernstfall von der Feuerwehr als Zugangsweg benutzt wird.
Der Posten 1 ist der Wachhabende für die jeweilige Veranstaltung und trägt die Hauptverantwortung. Er hat die Aufgabe, sich bei Auslösung der Brandmeldeanlage telefonisch in der Einsatzleitstelle der Berufsfeuerwehr zu melden und mitzuteilen, ob es sich um einen Realfall oder einen Fehlalarm handelt. Denn sonst würde immer sofort der Löschzug losgeschickt. Außerdem nimmt Posten 1 die Eintragungen im Wachbuch vor, wo die Namen der Feuerwehrleute, die Ortsfeuerwehr, Zeiten, Theaterstück sowie Besonderheiten, Funkverbindung und Wasserdruck der Hydranten eingetragen werden.
Nicht nur Oliver Matuschek von der Ortsfeuerwehr Stadtmitte, der im Rahmen dieser Fotostory begleitet wird, besucht etwa fünf Mal im Monat eine Brandsicherheitswache. Auch seine Kameraden sind oft vor Ort. Die Ortsfeuerwehr Stadtmitte ist bei jedem Wachdienst im Theater mit einer Einsatzkraft vor Ort, die anderen zwölf Ortsfeuerwehren wechseln sich im zweiwöchigen Rhythmus ab. Die Dauer der Veranstaltungen reicht von einer Stunde bei Lesungen bis hin zu fünf Stunden (zum Beispiel bei den Opern der Händelfestspiele). Die Freiwilligen erhalten eine kleine Aufwandsentschädigung.
Besondere Vorkommnisse
"Letztens löste während des Stückes ´Ameley, der Biber und der König auf dem Dach´ plötzlich die Brandmeldeanlage aus", erzählt Matuschek. Daraufhin kontrollierte der Wachhabende sofort das Tableau der Brandmeldeanlage, um den Ort der Auslösung zu finden. Es stellte sich heraus, dass der Schlüsselkasten der Feuerwehr einen Fehler aufwies. Somit war diese Vorstellung gerettet und der Löschzug brauchte nicht ausrücken. Sven Bossmann, Ortsbrandmeister der Ortsfeuerwehr Stadtmitte, musste schon einmal einen nassen Lappen auf die Bühne reichen, weil eine Kerze umgekippt war. Auch solche kleinen Unregelmäßigkeiten können einen schlimmen Ausgang nehmen, wenn die Feuerwehr nicht auspasst.
Interessante Links:

Das Deutsche Theater in Göttingen

Nach der Ankunft im Theater mindestens 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn: Oliver Matuschek begutachtet das Wachbuch. Hier finden sich vor allem Informationen über die Theaterstücke.

Ins Wachbuch wird folgendes eingetragen: Namen der Feuerwehrleute, Ortsfeuerwehr, Zeiten, Theaterstück, Besonderheiten, Funkverbindung, Wasserdruck der Hydranten

Brandsicherheitswachdienst am 12. Januar 2005 (von links): David Weinrich von der Berufsfeuerwehr, Dirk Grube (Ortsfeuerwehr Weende) und Oliver Matuschek (Ortsfeuerwehr Stadtmitte)

Stehen auch im Wachraum bereit: Wassereimer für Theaterstücke, bei denen mit Feuer gearbeitet wird (z. B. Kerzen oder Zigaretten).

Bedienstand für das Theaterpersonal direkt neben der Bühne

Bei den Rundgängen durch das Theater kommen die Posten der Brandsicherheitswache auch an Feuerschutzeinrichtungen vorbei.

Rundgang durch die Treppenhäuser: Oliver Matuschek kontrolliert alle Wandhydranten und Feuerlöscher.
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Auch die Kontrolle der Not-Beleuchtung gehört dazu, wie bei den Treppen auf den Rängen (links) oder die Fluchtbeleuchtung (oben). |

Am Rande des Kontrollganges: Diese Flasche steht schon seit sehr langer Zeit unerreichbar an diesem Ort über der Bühne. Bei Umbauarbeiten wurde sie von Arbeitern wohl "vergessen".

Das Tableau der Brandmeldeanlage stellt den Grundriss des Theaters in allen Ebenen dar.
Eine Brandmeldeanlage ist ein Netz von
Brand- bzw. Rauchmeldern, die innerhalb eines Gebäudes auf Brände hinweisen.
Das Funktionsprinzip ist ähnlich von Rauchmeldern im Haushalt. Bei Rauch
oder Feuer meldet der einzelne Sensor die Informationen zu der Zentrale der
Anlage. Dadurch wird automatisch die Einsatzleitstelle der Göttinger
Berufsfeuerwehr informiert. So kann durch
rechtzeitiges Eingreifen der Feuerwehr größerer Schaden verhindert werden.
Manchmal kommt es zu Fehlalarmen in der Anlage. Trotzdem wird jeder Auslösung
nachgegangen.

Am 12. Januar 2005 stand das Stück "Kitchen Stories" auf dem Plan

Posten 2 (Landseite): Oliver Matuschek hat seinen Platz bei diesem Stück in der Loge, da nur auf der Vorderbühne gespielt wird.

05. März 2005: Auch bei solch herausragenden Events ist die Feuerwehr - wenn auch im Hintergrund - vor Ort.

Otto Waalkes erhält den einzigen deutschen Satire-Preis "Göttinger Elch".

Dieses Mal wird das Event nicht von der Loge, sondern direkt neben der Bühne beobachtet. Durch ein kleines Sichtfenster kann das Geschehen verfolgt werden.

Der Blick aus dem Sichtfenster.

Da kommt er: Otto betritt die Bühne - direkt an den Posten der Feuerwehr vorbei.
Einige Eindrücke von der Verleihung:
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Auch einige Witze gab Otto zum Besten.


Mit über 500 Gästen ein voll besetztes Haus. Für die Sicherheit ist auch die Feuerwehr verantwortlich.

Blick vom 3. Rang: Dort, wo der Pfeil ist, sitzt Posten 2 der Feuerwehr (Landseite).

Prominente Runde: Die Göttinger Elche

von links: Emil Steinberger, F.W. Bernstein, Harry Rowohlt, Otto Waalkes, Marie Marcks, Anna Poth (Ehefrau von Chlodwig Poth), Moderator Peter Knorr, Robert Gernhardt, Gerhard Polt

Positiver Nebeneffekt des Brandsicherheitswachdienstes: Oli und Otto auf einem Foto!

Sonst nur hinter der Kamera: Stefan Rampfel und Otto

... und ein Autogramm gab es gratis dazu!
Aus der Frankfurter Rundschau Online vom 06. März 2005:
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Satirepreis "Göttinger Elch" für Otto Waalkes
Göttingen - Otto Waalkes ist mit dem Satirepreis "Göttinger
Elch" ausgezeichnet worden. Der ostfriesische Komiker nahm die
Auszeichnung während einer Feierstunde in Göttingen entgegen. Er freue sich
sehr über diese Würdigung, sagte Waalkes. |
Text:
Stefan Rampfel, Oliver Matuschek
Fotos:
Stefan Rampfel (30), Oliver Matuschek (1)