
Feuerwehrmann entwickelt Planspiel (17.06.2005)
Carsten Mahn ist seit fast zehn Jahren aktives Mitglied in der Freiwilligen Feuerwehr Lödingsen. Hier hat er die Funktion des Gruppenführers inne und betreut zudem die Internetseite seiner Ortswehr. Und da er auch die Lödingser Brandschützer in Theorie und Praxis ausbildet, kam ihm vor etwa einem Jahr im Feuerwehrdienst die Idee, ein Spiel für die Feuerwehr zu entwickeln.
"Die Ausbildung auf Unterrichtstafeln ist oft zu einseitig", findet Mahn. Und so entstand schließlich ein Planspiel, bei dem die Teamarbeit im Vordergrund steht. Es ist ein Spiel für die Feuerwehr-Ausbildung, bei dem verschiedene Einsatz-Situationen nachgespielt werden können. In nur wenigen Minuten können entweder selbst erdachte oder vorhandene Szenarien dargestellt werden. "So hat man die Möglichkeit, den Unterricht immer spontan und abwechslungsreich zu gestalten", so der 35-jährige Lödingser. Auf den einzelnen Spielplanfeldern sind Straßen, Häuser und Gewässer eingezeichnet, die variabel verschoben werden können. Sie bilden sie räumliche Basis für das Spiel. Hinzu kommt ein Sortierkasten, in dem sich Spielsteine befinden, die mit den verschiedensten Feuerwehr-Ausrüstungsgegenständen bedruckt sind: Schläuche, Leitern, Atemschutzgeräte und vieles mehr. Das Feuer wird durch rot-schwarze Wolle simuliert. Wenn das Haus brennt, wird die Wolle einfach auf das jeweilige Feld gelegt. Das Planspiel soll jedoch die praktische Ausbildung nicht ersetzen, sondern ergänzen.
Carsten Mahn hat das Spiel sowohl in einer Variante für Jugendfeuerwehren als auch für die aktiven Feuerwehrleute konzipiert. Die Jugendfeuerwehrvariante hat er jetzt auf der weltweit größten Feuerwehrmesse, der Interschutz in Hannover, vorgestellt. Hier präsentierte er seine Spielentwicklung sechs Tage lang auf dem Stand des Deutschen Feuerwehrverbandes. "Der Zuspruch war gut, die Besucher fanden die Idee und Umsetzung gelungen", erzählt Mahn. Im Unterschied zur "Aktiven-Variante" kann bei der Jugendfeuerwehr-Version der bundeseinheitliche Wettbewerb nachgespielt werden. Bei der Aktiven-Version sind dafür bei den Gebäuden auch die Innenansichten verfügbar, um die Häuser von innen zu "löschen".
"Karitativ ohne Ende"
Bei dem Spiel handelt es sich um ein didaktisches Lernspiel zur Ausbildung von Feuerwehren. Und gefertigt wurde es von Behinderten in den Göttinger Werkstätten, also "karitativ ohne Ende", sagt der Spiele-Erfinder nicht ohne Stolz. Um auch einen betriebswirtschaftlichen Hintergrund zu erlangen, nahm der beruflich als Netzwerkadministrator arbeitende Mahn am Existenzgründer-Wettbewerb "Promotion Nordhessen" teil. Und hier kam er vor kurzem sogar unter die ersten fünf Plätze und gewann 2000 Euro. Vor dem Verkauf haben verschiene Jugendfeuerwehren und Freiwillige Feuerwehren das Spiel ausgiebig auf Herz und Nieren geprüft. So auch die Jugendlichen aus Hetjershausen. Unter Anleitung von Jugendwart Christian Ropeter sollte ein Müllcontainerbrand gelöscht werden. Das Feuer wurde sicher unter Kontrolle gebracht. Die berechtigten Kritikpunkte wurden von Carsten Mahn alle beseitigt.
Einziges Manko: Das Spiel hat noch keinen Namen gefunden. Wer also eine gute Idee hat, kann sich mit dieser gerne im Spiel verewigen. Einfach eine E-Mail an mail@planspielmanufaktur.de schicken.
Link: www.planspielmanufaktur.de
Beim Testen des Spiels: die Jugendfeuerwehr Hetjershausen muss einen Müllcontainerbrand löschen.
Spielsteine mit Aufdrucken von feuerwehrtechnischen Ausrüstungsgegenständen
Clou: Wenn man das Dach abnimmt, gelangt man ins Innere des Gebäudes
Auf der Interschutz. Carsten Mahn präsentiert seine Spiele-Erfindung
Text: Stefan Rampfel, Fotos: Planspielmanufaktur (2), Stefan Rampfel (6)