
ZDF berichtete über Tunnelproblematik
Am vergangenen Dienstag berichtete das ZDF in der Sendung "Frontal 21" über die so genannte Tunnelproblematik - unter anderem von Bahnstrecken. So schätzen Experten, dass über 70 Prozent der alten Röhren unsicher seien. Als Beispiel wurde in der Sendung der Leinebuschtunnel bei Göttingen genannt, der 1999 durch einen Güterzugbrand Bekanntheit erlangte. Frontal warnte damals, in der Sendung vom 8. September 1998, vor schweren Sicherheitsmängeln in dem über 1700 Meter langen Tunnel. "Bei einer Rettungsübung zeigte sich: Es gibt weder Notausstiege, noch eine eigene Löschwasserversorgung. Die Bahn versprach Abhilfe."
Doch darauf wartet die Feuerwehr noch heute. Kreisbrandmeister Karl-Heinz Niesen sagt: "In den letzten sechs Jahren hat sich nichts geändert. Die Büsche sind größer geworden, die Bäume haben das Ganze zugewachsen. Der Rettungsplatz ist nach wie vor noch klein und eng, das heißt: Zwei Feuerwehrfahrzeuge, und dann ist der Rettungsplatz voll. Wir brauchen hier mindestens 1500 Quadratmeter, damit wir uns überhaupt richtig aufstellen und bewegen können, und ein Notausstieg ist für den Tunnel nicht vorgesehen worden. Es fehlt uns nach wie vor die Löschwasserversorgung, und die Trockenleitung im Tunnel - damit wir im Tunnel keine Schläuche ausrollen müssen - fehlt auch immer noch."
Interner Link: Tunnelbrand März 1999
Lesen Sie unten den kompletten Bericht.
Todesfalle Tunnel
Sicherheitsrisiken auf Schienen und Straßen
Giftige Rauchgase, Temperaturen von über 1000 Grad, extrem schlechte Sichtverhältnisse - bei einem Tunnelbrand entscheiden oft Sekunden über Leben oder Tod. Zwar ist das Risiko, mit dem Auto oder der Bahn in einem Tunnel zu verunglücken, statistisch gesehen gering. Doch wenn es passiert, sind die Folgen der Unfälle meist verheerend.
Todesgefahr im Tunnel: Ein Lkw fängt Feuer, mitten im österreichischen Speringtunnel. Der Fahrer versucht, mit einem Feuerlöscher den Brand unter Kontrolle zu bringen. Doch in Sekundenschnelle füllt sich die Röhre mit dichtem Rauch. Oder im Semmeringtunnel: Ein Wagen kommt auf die falsche Fahrbahnseite und rammt einen Lkw. Unfälle im Tunnel, ein Albtraum für Opfer und Helfer. Nirgendwo sonst ist die Rettung so schwer. Der ADAC hat die Sicherheit der Auto-Tunnel europaweit getestet. Das Ergebnis: Jede sechste Röhre ist unsicher.
"Unter
jeden Standards"
Testleiter Robert Sauter erläutert: "Was
Deutschland betrifft, so haben wir ein sehr unterschiedliches Ergebnis. Wir
haben sehr gute Bewertungen. Wir haben aber auch zwei Mal ausreichend, also
unterhalb dessen, was in Deutschland als nationales Regelwerk gilt. Das ist
hiermit nicht erfüllt, mit dieser Note ausreichend. Und wir haben eben den
Ruhrschnellweg, der durchgefallen ist, der unterhalb jeden Standards
liegt."
Die Prüfer monieren beim Ruhrschnellweg in Essen: Die Fluchtrichtung sei kaum
zu erkennen, auch die Notausgänge finde man nur mit Glück. In der Röhre überwacht
niemand per Video den Verkehr: Beim Zustand der Kameras wundert das auch keinen.
Und die Lüftung: Für Rauch ist sie zu schwach, und Hitze - wie sie bei Bränden
vorkommen soll - verträgt sie auch nicht.
Sauter weiter: "Die Belüftung ist nicht stark ausgelegt. Das entspricht nicht mehr dem Stand der Technik, die könnte ein größeres Ereignis im Tunnel nicht mehr beherrschen. Und das ist schon etwas, was man auf dem schleunigsten Weg verbessern sollte."
Rettungseinrichtungen
fehlen
Schwere Sicherheitsmängel nicht nur bei Straßentunnel:
Auch bei der Bahn sieht es nicht besser aus. Breitet sich ein Feuer im
Bahntunnel aus, fehlen gerade bei älteren Anlagen rettende Einrichtungen.
Brandschutzexperte
Jochen Maaß sagt: "Gerade bei den Bahntunneln muss man feststellen: Die
sind teilweise mit dem Bau der ersten Eisenbahn in Deutschland eingerichtet, zum
Beispiel der Tunnel bei Cochem 1898. Und bisher haben sich weder die Regierungen
noch die Bahnbetreiber um die Sicherheit gekümmert. Und die heutige DB AG hat
jetzt natürlich einen riesigen Nachholbedarf."
Unsichere alte Röhren
Über 70 Prozent der alten Röhren seien
unsicher, schätzen Experten. Zum Beispiel der Leinebuschtunnel bei Göttingen.
Frontal warnte schon vor sechs Jahren vor schweren Sicherheitsmängeln in dem über
1700 Meter langen Tunnel.
In dem Bericht vom 8. September 1998 hieß es: "Bei einer Rettungsübung zeigte sich: Es gibt weder Notausstiege, noch eine eigene Löschwasserversorgung. Die Bahn versprach Abhilfe. Darauf wartet die Feuerwehr heute noch."
Keine
Veränderung
Karl-Heinz Niesen, Kreisbrandmeister in Göttingen,
über den heutigen Stand: "In den letzten sechs Jahren hat sich nichts geändert.
Sie sehen ja selber: Die Büsche sind größer geworden, die Bäume haben das
Ganze zugewachsen. Der Rettungsplatz ist nach wie vor noch klein und eng, das
heißt: Zwei Feuerwehrfahrzeuge, und dann ist der Rettungsplatz voll. Wir
brauchen hier mindestens 1500 Quadratmeter, damit wir uns überhaupt richtig
aufstellen und bewegen können, und ein Notausstieg ist für den Tunnel nicht
vorgesehen worden. Es fehlt uns nach wie vor die Löschwasserversorgung, und die
Trockenleitung im Tunnel - damit wir im Tunnel keine Schläuche ausrollen müssen
- fehlt auch immer noch."
Nach Jahren ist nun erst mal die Verwaltung schwer beschäftigt. Die Planung liege zur Genehmigung dem Eisenbahn-Bundesamt vor, schreibt uns die Bahn: "Sollte das Baurecht noch in diesem Jahr erteilt werden, ist mit einer Fertigstellung der Rettungsplätze 2006 zu rechnen." Mal sehen, ob es denn - ausnahmsweise - so schnell geht.
Ein zweites Beispiel: Bevor eine Rettungsaktion beginnen kann, muss die Starkstromoberleitung geerdet werden. Denn bei einem Unfall fällt die oft auf die Schiene, eine tödliche Gefahr. Die Leitung erden, das könnten eigentlich auch dafür ausgebildete Feuerwehrmänner. Doch oft müssen sie auf den Notfallmanager der Bahn warten. In 30 Minuten sollte er da sein. Ist er aber oft nicht.
Die Frontal-Sendung vom 8. September 1998 berichtete so darüber: "So wie bei dieser Rettungsübung im Schwarzenfelstunnel bei Fulda. Erst nach eineinhalb Stunden erscheint der Notfallmanager. Er stand im Stau. Im Ernstfall hätte die Feuerwehr dem Brand tatenlos zusehen müssen."
"Rettungskräfte
können nicht eingreifen"
Der Fuldaer Kreisbrandinspektor Wolfgang Köhler
sagt dazu: "Bei diesen Umständen könnten bis zu einer Stunde vergehen, in
der die Rettungskräfte vor dem Tunnelportal stehen, und können nicht
eingreifen, weil noch nicht geerdet ist oder weil sonstige Maßnahmen noch nicht
eingeleitet wurden."
Wir fragen weiter: "Aber vor sechs Jahren war das gleiche Problem ja schon mal da, da hat sich ja nicht viel dran geändert?" Köhler antwortet: "Bis heute noch nicht. Leider nicht."
Proben
des Ernstfalls
Im Hagerbachstollen bei Zürich, einem
ehemaligen Bergwerk, experimentieren Brandforscher mit dem Feuer. Sie proben den
Ernstfall, legen absichtlich einen Tunnelbrand, um neueste Rettungssysteme zu
entwickeln. Ohne ein Minimum an Sicherheit hat der Fahrgast kaum eine Überlebenschance.
Brandexperte
Toni Bischofberger von Siemens Building Technologies, Zürich, stellt dazu fest:
"Das Minimum ist sicher, dass die Passagiere den Tunnel verlassen können.
Es braucht also einen Gehweg, es braucht einen beleuchteten Gehweg. Es braucht
vielleicht auch einen Handlauf, wo man sich sicher führen lassen kann. Es
braucht sicher Hinweisschilder, in welche Richtung man geht. Das ist sicher das
Minimum, das wir brauchen."
Minimum fehlt
Eben dieses Minimum, so wissen Brandexperten,
fehlt in vielen deutschen Straßen- und Bahntunnel. Weil jahrelang viel
versprochen, aber viel zu wenig getan wurde.
Quelle: www.zdf.de