Intensivtransportwagen Südniedersachen einsatzbereit (16.07.2008)


Universitätsmedizin Göttingen und Stadt Göttingen stellen „ITW Südniedersachsen" in Dienst. Einsatzradius 80 Kilometer. An 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr einsatzbereit.

Der in Göttingen stationierte „Intensivtransportwagen Südniedersachsen" hat seinen Dienst aufgenommen. Das Fahrzeug ist eine fahrende Intensivstation und an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr einsatzbereit. Die fortschreitende Spezialisierung in der Medizin macht immer öfter eine Verlegung von Schwerstkranken und intensivpflichtigen Patienten notwendig, um ihnen eine optimale Diagnostik und Therapie zukommen zu lassen.

Der neue Intensivtransportwagen wird besetzt von Fachärzten des Zentrums Anaesthesie, Rettungs- und Intensivmedizin (ZARI) der Universitätsmedizin Göttingen. Sie besitzen die Weiterbildung in der speziellen Intensivmedizin sowie die Zusatzbezeichnung Notfallmedizin. Außerdem fahren mit Rettungsassistenten der Berufsfeuerwehr Göttingen und des Deutschen Roten Kreuzes (Kreisverbandes Göttingen-Northeim) mit der Zusatzqualifikation für Intensivtransporte. Träger ist die Stadt Göttingen.

Bei dem Göttinger Fahrzeug handelt es sich um einen Intensivtransportwagen auf Mercedes-Benz Fahrgestell (Sprinter 416) mit einer umfangreichen Ausstattung, die den sicheren Transport von Risikopatienten zwischen verschiedenen Kliniken ermöglicht. An einer Intensivtransporttrage für Patienten bis 160 Kilogramm sind ein spezielles Beatmungsgerät, ein Intensivmonitor zur Überwachung der Vitalfunktionen und vier Motorspritzenpumpen befestigt. Für die zusätzlichen medizinischen Geräte ist eine 220 Volt Stromversorgung installiert.

Fahrzeug für Sekundärtransporte

„Der neue Intensivtransportwagen steht für alle Verlegungen von Hochrisiko- und Intensivpatienten zur Verfügung, die in ein anderes Krankenhaus zur medizinischen Weiterbehandlung verlegt werden müssen", sagt Dr. Markus Roessler, Oberarzt am Zentrum Anaesthesiologie, Rettungs- und Intensivmedizin der Universitätsmedizin Göttingen und ärztlicher Leiter des ITW. Das Fahrzeug, mit dem diese so genannten Sekundärtransporte durchgeführt werden, unterscheidet sich hinsichtlich der Ausstattung und fachlichen Qualifikation des eingesetzten Personals von Rettungsmitteln, die beim Notfalleinsatz in der Primärrettung eingesetzt werden. Alle Ärzte bringen das Know-how einer Intensivstation eines Klinikums der Maximalversorgung mit. Häufig ist der ITW-Arzt auch der später weiterbehandelnde Intensivmediziner. Das hilft, Informationsverluste so gering wie möglich zu halten und die Weiterbehandlung des Patienten schon im abgebenden Krankenhaus beginnen zu lassen. Ist es jedoch erforderlich, dass ein Patient sofort und ohne Zeitverzögerung verlegt werden muss, sollte dies wie bisher mit dem Göttinger Rettungshubschrauber Christoph 44 oder mit den an den Krankenhäusern stationierten Notarzteinsatzfahrzeugen und Rettungswagen geschehen. Damit kann die Anfahrtszeit des ITW zur verlegenden Klinik eingespart werden.

Typische Krankheitsbilder für einen Einsatz des ITW sind Blutvergiftungen (Sepsis) mit Multiorganversagen (Lungen-, Nieren-, Leberversagen), Herzversagen, schwere Mehrfachverletzung (Polytrauma) oder Inkubatortransporte. Auch bei Organtransplantationen und bestimmten Formen einer Hirnblutung, eines Schlaganfalls oder nach einem Herzinfarkt kommt der Intensivtransportwagen zum Einsatz. Besonderheit des Göttinger „ITW Südniedersachsen": Zu Patienten mit einem schweren Lungenversagen kann ein spezielles Team mit zwei Ärzten des ZARI zur Implantation einer so genannten ECMO (extrakorporale Membranoxygenierung) oder PECLA (pumpless extracorporeal lung assist) entsandt werden, die noch im abgebenden Krankenhaus diese extrakorporalen Verfahren zum Einsatz bringen. Bundesweit gibt es nur wenige Kliniken, in denen diese Verfahren durchgeführt werden können und die ein Team hierfür entsenden können.

Durch die Kooperation mit der Abteilung Kardiologie und Pneumologie der Universitätsmedizin Göttingen kann bei Patienten mit schwerem Herzversagen (kardiogener Schock) im Bedarfsfall auch eine IABP (intraaortale Ballonpumpengegenpulsation) implantiert werden. In solchen Fällen versorgen Anästhesist und Kardiologe den Patienten vor Ort, auf dem Transport und in der weiterbehandelnden Klinik.

Ein System für bodengebundene Intensivverlegungen wird – insbesondere für den südniedersächsischen Raum – immer häufiger gebraucht. Bereits vor vier Jahren hat das Zentrum Anaesthesiologie, Rettungs- und Intensivmedizin der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) dem Niedersächsischen Landkreistag einen entsprechenden Konzeptvorschlag für ein effizientes und wirtschaftliches Verlegungssystem vorgelegt. Das novellierte Niedersächsische Rettungsdienstgesetz (NRettDG) hat diesen Entwicklungen Rechnung getragen und die rechtliche Grundlage für ein solches System geschaffen. Für den südniedersächsischen Raum haben sich die Stadt Göttingen und die Landkreise Göttingen, Northeim, Osterode und Holzminden zur Zusammenarbeit bereit erklärt. Anforderungen kommen auch aus den Landkreisen Eichsfeld (Thüringen), Werra-Meißner und Kassel (Hessen), vor allem, wenn Patienten in das Universitätsklinikum Göttingen verlegt werden sollen. Der Einsatzradius soll dabei im Regelfall 80 Kilometer nicht überschreiten. Für Verlegungen über größere Entfernungen ist der Einsatz eines Intensivtransporthubschraubers sinnvoll.

Die Anforderung des ITW Südniedersachsen ist über die zuständigen Rettungsleitstellen über den Notruf 112 oder direkt über die Rettungsleitstelle Göttingen (0551-19222) immer dann möglich, wenn ein Patient verlegt werden muss und während des Transports einer differenzierten ärztlichen Überwachung und Behandlung bedarf.

Ein weiterer Vorteil der Einführung des ITW-Systems: Der reguläre Notarztdienst für eine Region bleibt voll funktionsfähig und das auch, wenn Verlegungstransporte durchgeführt werden müssen, die in der Regel drei bis vier Stunden in Anspruch nehmen. Insgesamt werden in Niedersachsen für Sekundärverlegungen vier Intensivtransportwagen an den Standorten Göttingen, Hameln, Hannover und Oldenburg vorgehalten.

Der neue Intensiv-Transportwagen mit Besatzung und (v.r.): Jörg Stöber (Leiter der Rettungsdienstschule der Berufsfeuerwehr Göttingen) sowie Dr. Markus Roessler (2. v.r., Oberarzt am Zentrum für Anaesthesiologie, Rettungs- und Intensivmedizin und ärztlicher Leiter des ITW)

 

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