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Region: Landkreis Göttingen Themen: Feuerwehr · Brandschutz · Verkehr

Großübung im Tunnel Bovenden: Massenunfall mit 17 Verletzten

Stand: 12. Juli 2026 Redaktion kfv-goe.de

Sonnabend, 18. September 2004, 14.30 Uhr: Alarm für Freiwillige Feuerwehr, Technisches Hilfswerk und Deutsches Rotes Kreuz. In der Bovender Überdeckelung von Bundesstraße 3 und Bahnstrecke, im Volksmund schlicht Tunnel genannt, mussten rund 100 Helfer der drei Hilfsorganisationen einen Massenunfall mit sieben verunglückten Fahrzeugen und 17 zum Teil schwer verletzten Opfern abarbeiten. Das Glück der Beteiligten: Es handelte sich um eine groß angelegte Übung, nicht um einen Realfall.

Kunstblut und Spaghetti: die Verletztendarsteller

"Bevor ihr euch in die Unfallfahrzeuge setzt, bekommt ihr alle noch Blut und Schweißperlen", sagte die Ausbilderin der Realistischen Unfalldarstellung (RUD) aus Gifhorn, die mit ihren Helfern für die detailgetreue Nachbildung der Verletzungen verantwortlich war. Nasenbeinbruch, offene Unterschenkelfrakturen und schwere Schädel-Hirn-Traumata gehörten zu den dargestellten Verletzungsmustern. Gearbeitet wurde unter anderem mit eingekochten Spaghetti, die Erbrochenes darstellten, und mit angedicktem, eingefärbtem Wasser als Kunstblut. Bei Übungen helfe man sich gegenseitig aus, erläuterte die Ausbilderin, weil sonst die Retter fehlen würden.

B 3 komplett gesperrt

Ab 13.45 Uhr wurde die Bundesstraße 3 voll gesperrt, dann begann der Aufbau im Tunnel Bovenden. Die Ausarbeiter der Übung hatten zuvor genau festgelegt, wo welches Fahrzeug stehen und wie viele Verletzte wo liegen sollten. Die Vorbereitungen für das Szenario liefen zu diesem Zeitpunkt bereits seit einem Dreivierteljahr.

Als erste Kraft rückte die Freiwillige Feuerwehr Bovenden mit fünf Fahrzeugen an. Der Einsatzort war ihr vertraut: Im Jahr 2000 hatte es im Tunnel einen schweren Verkehrsunfall gegeben, bei dem zwei Fahrzeuge frontal kollidierten. Welche besonderen Risiken Feuer und Unfälle in solchen Bauwerken bergen, beschreibt der Beitrag über Tunnelbrände ausführlicher.

Wasserversorgung bis ans Nordportal

Als Verstärkung wurden die Feuerwehr Angerstein und das THW nachgefordert, vom DRK kam die Sanitätskomponente des Katastrophenschutzes hinzu. Über eine lange Wegstrecke legten die Kräfte eine Wasserversorgung bis an das Nordportal, wo ein Pufferbecken mit 10.000 Litern Löschwasser aufgebaut wurde. Währenddessen trugen die Retter die ersten Verletzten aus dem verqualmten Tunnel ins Freie, über eine Notausgangstreppe, die am Feldtorweg endet. Auf der Überdeckelung selbst richtete das DRK einen Verbandsplatz ein, wie einer der Helfer der Organisation berichtete.

Ziel der Übung war nach den Worten des Bovender Ortsbrandmeisters, das Zusammenwirken der verschiedenen Hilfsorganisationen zu proben, und das in einer schwierig gelegenen Einsatzstelle mit engen Rettungswegen, Rauchschwaden und vielen Verletzten an einem unübersichtlichen Ort.

Die Bilanz

Am Ende standen 15 gerettete Personen zu Buche; für zwei "Verletzte" kam nach dem Übungsszenario jede Hilfe zu spät. Auf den Umleitungsstrecken rund um die gesperrte B 3 gab es zeitweise Behinderungen.

Sieben Unfallfahrzeuge, 17 Verletztendarsteller, rund 100 Helfer von Feuerwehr, THW und DRK: Die Tunnelübung vom September 2004 gehörte zu den größten Übungslagen, die aus dem Flecken Bovenden dokumentiert sind.


Große Übungen prägten das Jahr 2004 im Flecken Bovenden. Bereits im April hatten die Ortswehren in Lenglern eine angenommene Explosion in einer Lagerhalle abgearbeitet. Eine Übersicht über reale Einsätze jener Jahre bietet die Einsatzübersicht.