Feuerwehrverband in Südniedersachsen: Göttingen, Duderstadt und das Eichsfeld in Daten
Zwei Dachorganisationen teilten sich über Jahrzehnte die Verbandsarbeit der Feuerwehren im Landkreis Göttingen: der Kreisfeuerwehrverband Göttingen und der Feuerwehrverband Duderstadt-Eichsfeld. Diese Doppelstruktur war eine Besonderheit in Niedersachsen, denn in den meisten Landkreisen vertritt ein einziger Verband alle Wehren. Die Zahlen auf dieser Seite dokumentieren den Stand aus der Verbandsstatistik vor der Kreisfusion von 2016, als der Altkreis Göttingen 1.117 Quadratkilometer umfasste und rund 240.000 Einwohner zählte.
Wer verstehen will, wie der Brandschutz zwischen Harz und Weser organisiert ist, findet hier die Kennzahlen, die Gemeinden und die geografischen Eckdaten im Zusammenhang.
Zwei Verbände in einem Landkreis
Die Aufteilung hatte historische Gründe. Der Osten des Kreisgebiets rund um Duderstadt gehört zum Untereichsfeld, einer Landschaft mit eigener, katholisch geprägter Identität, die sich beiderseits der Landesgrenze zu Thüringen erstreckt. Als der Altkreis Duderstadt 1973 im Landkreis Göttingen aufging, behielten die Wehren des Eichsfelds ihre eigene Vertretung: den Feuerwehrverband Duderstadt-Eichsfeld. Die übrigen Wehren organisierte der Kreisfeuerwehrverband Göttingen.
An der täglichen Arbeit änderte die Trennung wenig. Ein Feuerwehrverband betreibt keine Löschfahrzeuge, er vertritt die Interessen der Wehren gegenüber Politik und Verwaltung, organisiert Wettbewerbe und Ausbildung und fördert die Kameradschaft. Alarmiert und geführt wurden die Feuerwehren beider Verbandsgebiete gemeinsam über die Strukturen des Landkreises. Welche Vorschriften diese Arbeit regeln, zeigt die Übersicht zur Feuerwehrverordnung in Niedersachsen.
Kreisfeuerwehrverband Göttingen in Zahlen
Der Kreisfeuerwehrverband Göttingen vereinte 111 Feuerwehren unter einem Dach: 109 Freiwillige Feuerwehren, eine Werkfeuerwehr und eine Berufsfeuerwehr. Rund 4.164 aktive Mitglieder standen für Brandschutz und Hilfeleistung bereit. Beachtlich war auch der Unterbau: In 91 Jugendfeuerwehren übten rund 1.367 Kinder und Jugendliche für den späteren Einsatzdienst. Wie diese Arbeit aussieht, beschreibt die Seite zur Jugendfeuerwehr im Landkreis.
| Kennzahl | Wert (Altkreis Göttingen, vor der Kreisfusion 2016) |
|---|---|
| Feuerwehren im Kreisfeuerwehrverband | 111 (109 Freiwillige Feuerwehren, 1 Werkfeuerwehr, 1 Berufsfeuerwehr) |
| Aktive Mitglieder | rund 4.164 |
| Jugendfeuerwehren | 91 mit rund 1.367 Mitgliedern |
| Fläche des Altkreises | 1.117 Quadratkilometer |
| Einwohner | rund 240.000 |
| Bundesautobahn 7 | über 40 Kilometer im Kreisgebiet |
| Schnellfahrstrecke der Bahn | sieben Tunnel, der längste über 10 Kilometer lang |
Für Technik und Logistik sorgte die feuerwehrtechnische Zentrale in Potzwenden, die unter anderem Atemschutzgeräte prüfte und bei Großlagen Nachschub an die Einsatzstellen fuhr.
Berufsfeuerwehr, Werkfeuerwehr, Freiwillige: drei Formen im Vergleich
Hinter den 111 Feuerwehren der Verbandsstatistik stehen drei sehr unterschiedliche Organisationsformen. Die 109 Freiwilligen Feuerwehren tragen den Brandschutz in der Fläche: Ehrenamtliche mit Beruf und Familie, alarmiert über Funkmeldeempfänger, verfügbar rund um die Uhr, aber eben neben dem eigentlichen Leben. Ihre Stärke ist die Nähe. In jedem Dorf steht ein Gerätehaus, und die erste Hilfe kommt aus der Nachbarschaft.
Die Berufsfeuerwehr in der Stadt Göttingen arbeitet dagegen hauptamtlich im Schichtdienst. Sie stellt sicher, dass in der Kreisstadt zu jeder Tages- und Nachtzeit ein besetzter Löschzug binnen Minuten ausrückt, und sie betreibt die Leitstelle, bei der die Notrufe aus dem Kreisgebiet auflaufen. Bei größeren Lagen arbeiten Berufs- und Ortsfeuerwehren zusammen; keine der beiden Formen ersetzt die andere.
Die dritte Form ist die Werkfeuerwehr in Hann. Münden. Sie ist keine öffentliche Einrichtung, sondern die behördlich anerkannte Feuerwehr eines Unternehmens, zugeschnitten auf die Risiken des eigenen Werksgeländes. Fachlich gelten für sie dieselben Standards wie für öffentliche Wehren, und im Bedarfsfall unterstützt sie auch außerhalb des Werkszauns. Für den Feuerwehrverband zählte sie als Mitgliedswehr wie jede andere.
Feuerwehrverband Duderstadt-Eichsfeld
Der Feuerwehrverband Duderstadt-Eichsfeld vertrat die Wehren im Osten des Kreisgebiets, also in der Stadt Duderstadt und den Samtgemeinden Gieboldehausen und Radolfshausen. Der Name verweist auf die Landschaft, nicht auf eine Kreisgrenze: Das Eichsfeld reicht von Duderstadt weit nach Thüringen hinein.
Jenseits der Landesgrenze besteht mit dem Kreisfeuerwehrverband Eichsfeld eine eigene Organisation für die Wehren des thüringischen Landkreises Eichsfeld. Nach der Wiedervereinigung wuchsen die Kontakte über die alte Grenze hinweg wieder, schließlich verbindet die Region eine gemeinsame Geschichte. Wer aus Duderstadt in Richtung Heiligenstadt fährt, wechselt damit auch das Verbandsgebiet.
Geografie: zwischen Harz und Kassel
Der Altkreis Göttingen lag in der Südspitze Niedersachsens und ziemlich genau in der Mitte Deutschlands. Er reichte von den Ausläufern des Harzes bis an die Stadtgrenze von Kassel. Im Osten grenzte er an den Landkreis Osterode und an Thüringen, im Süden an Hessen, im Westen zog die Weser die Grenze, im Norden schloss der Landkreis Northeim an.
Für die Feuerwehren bedeutete diese Lage vor allem Verkehr. Die Bundesautobahn 7 durchquert das Kreisgebiet auf über 40 Kilometern, entsprechend häufig rückten die Wehren zu Unfällen aus. Die Schnellfahrstrecke der Bahn passiert sieben Tunnel, der längste misst über zehn Kilometer. Was ein Brand in einer solchen Röhre bedeutet, zeigte der Güterzugbrand im Leinebuschtunnel 1999, einer der markantesten Einsätze in der Einsatzübersicht des Landkreises.
Zum 1. November 2016 fusionierte der Landkreis Göttingen mit dem Landkreis Osterode am Harz. Seitdem reicht das Kreisgebiet bis in den Oberharz, und die Feuerwehrstrukturen beider Altkreise wuchsen Schritt für Schritt zusammen. Die historischen Zahlen dieser Seite beziehen sich auf den Zuschnitt vor dieser Fusion.
Bahnstrecken und Tunnel als Einsatzrisiko
Ein Risiko sticht aus den geografischen Daten heraus: die Bahn. Durch das Leinetal verläuft die alte Nord-Süd-Strecke, dazu kommt die Schnellfahrstrecke, die das Kreisgebiet in sieben Tunneln unterquert; der längste misst über zehn Kilometer. Der Bahnhof Göttingen ist ein Knoten des Fernverkehrs, an dem die Züge beider Strecken zusammenlaufen.
Für die Feuerwehren sind die Tunnel der anspruchsvollste Teil dieser Infrastruktur. Eine Einsatzstelle tief in der Röhre ist nur über die Portale und Rettungszugänge erreichbar, jedes Gerät muss über lange Wege nach vorn gebracht werden, und ohne Atemschutz geht im Brandfall nichts. Wie ernst solche Szenarien sind, zeigte der Güterzugbrand im Leinebuschtunnel 1999, bei dem die Einsatzkräfte einen brennenden Waggon erst 650 Meter tief im Berg erreichten und gemeinsam mit dem Tunnelrettungszug der Bahn löschten.
Geübt wird das Szenario seither regelmäßig, etwa 2004 in Bovenden, wo die Überdeckelung von Bundesstraße und Bahnstrecke rund 100 Helfern von Feuerwehr, THW und DRK als Kulisse für einen simulierten Massenunfall diente. Die Verantwortung für die Tunnelanlagen der Schnellfahrstrecke tragen die Gemeinden entlang der Trasse, allen voran Rosdorf, deren Wehren für diese Sonderrolle ausgebildet und ausgestattet werden.
Gemeinden und ihre Feuerwehren
Zwölf Städte, Gemeinden und Samtgemeinden bildeten den Altkreis: Adelebsen, Bovenden, Dransfeld, Duderstadt, Friedland, Gieboldehausen, Göttingen, Gleichen, Hann. Münden, Radolfshausen, Rosdorf und Staufenberg. Jede von ihnen unterhielt eigene Ortsfeuerwehren, deren Zahl und Ausstattung sich nach der örtlichen Gefahrenlage richtete.
Die folgende Übersicht ordnet die zwölf Kommunen des Altkreises ein, mit dem jeweiligen Zuschnitt und dem, was ihr Gebiet aus Feuerwehrsicht prägt.
| Kommune | Typ | Prägend aus Feuerwehrsicht |
|---|---|---|
| Adelebsen | Flecken | ländlicher Westen mit dörflichen Ortsfeuerwehren |
| Bovenden | Flecken | Überdeckelung von B3 und Bahnstrecke, Übungsschwerpunkt Tunnel |
| Dransfeld | Stadt | Stützpunktfeuerwehr auf der Hochfläche zwischen Göttingen und Hann. Münden |
| Duderstadt | Stadt | Zentrum des Untereichsfelds, Sitz des Feuerwehrverbands Duderstadt-Eichsfeld |
| Friedland | Gemeinde | Leinetal mit Hochwasserlagen am südlichen Kreisrand |
| Gieboldehausen | Samtgemeinde | Untereichsfeld, Wehren im Verband Duderstadt-Eichsfeld |
| Gleichen | Gemeinde | weitläufiges Dorfgebiet im Südosten mit vielen kleinen Ortsfeuerwehren |
| Göttingen | Stadt | Berufsfeuerwehr, Leitstelle, Universität und Kliniken |
| Hann. Münden | Stadt | Werkfeuerwehr, Wasserlagen an Werra, Fulda und Weser |
| Radolfshausen | Samtgemeinde | östliches Kreisgebiet, Wehren im Verband Duderstadt-Eichsfeld |
| Rosdorf | Gemeinde | Stützpunktfeuerwehr, Tunnel der Schnellfahrstrecke |
| Staufenberg | Gemeinde | A7-Korridor an der hessischen Grenze bei Kassel |
Die Stadt Göttingen nahm eine Sonderrolle ein: Neben den Freiwilligen Ortsfeuerwehren stellte sie die einzige Berufsfeuerwehr des Kreisgebiets. In Hann. Münden ergänzte eine Werkfeuerwehr den öffentlichen Brandschutz. Größere Orte wie Rosdorf, Dransfeld oder Groß Schneen fungierten als Stützpunktfeuerwehren mit erweiterter Technik, die bei Großlagen auch überörtlich alarmiert wurden. Das Netz war bewusst engmaschig geknüpft. Auf dem Land entscheidet die Anfahrtszeit der ersten Wehr oft über den Verlauf eines Brandes.
Häufige Fragen zu den Verbänden
Was war der Feuerwehrverband Duderstadt-Eichsfeld?
Die Dachorganisation der Feuerwehren im Untereichsfeld, also in Duderstadt und den Samtgemeinden Gieboldehausen und Radolfshausen. Er bestand neben dem Kreisfeuerwehrverband Göttingen und vertrat die Wehren des früheren Altkreises Duderstadt.
Wie viele Feuerwehren zählte der Kreisfeuerwehrverband Göttingen?
111 Feuerwehren: 109 Freiwillige Feuerwehren, eine Werkfeuerwehr und eine Berufsfeuerwehr. Zusammen kamen sie auf rund 4.164 aktive Mitglieder.
Gibt es einen Kreisfeuerwehrverband Eichsfeld?
Ja, allerdings in Thüringen. Der Kreisfeuerwehrverband Eichsfeld vertritt die Wehren des thüringischen Landkreises Eichsfeld rund um Heiligenstadt und Leinefelde-Worbis, jenseits der Landesgrenze bei Duderstadt.
Wie groß war der Landkreis Göttingen vor der Fusion?
1.117 Quadratkilometer mit rund 240.000 Einwohnern. Der Altkreis reichte von den Ausläufern des Harzes bis an die Stadtgrenze von Kassel.
Welche Gemeinden gehörten zum Altkreis Göttingen?
Adelebsen, Bovenden, Dransfeld, Duderstadt, Friedland, Gieboldehausen, Göttingen, Gleichen, Hann. Münden, Radolfshausen, Rosdorf und Staufenberg.
Was änderte sich mit der Kreisfusion 2016?
Zum 1. November 2016 schlossen sich die Landkreise Göttingen und Osterode am Harz zusammen. Das Kreisgebiet reicht seitdem bis in den Oberharz, die Feuerwehrstrukturen beider Altkreise wuchsen zusammen.
Wie viele Jugendfeuerwehren gab es im Altkreis?
91 Jugendfeuerwehren mit rund 1.367 Kindern und Jugendlichen. Sie bildeten den Nachwuchs für die aktiven Wehren aus.
Welche Aufgaben hat ein Feuerwehrverband?
Ein Feuerwehrverband vertritt die Interessen der Wehren gegenüber Politik und Verwaltung, organisiert Ausbildung, Wettbewerbe und Ehrungen und pflegt die Kameradschaft. Einsätze fährt er nicht, das bleibt Aufgabe der einzelnen Feuerwehren.