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Region: Landkreis Göttingen Themen: Feuerwehr · Brandschutz · Verkehr

Pkw prallt unter Autokran: zwei tödliche Unfälle im Januar 2008

12. Januar 2008 Hilfeleistung Landkreis Göttingen

Der 21. Januar 2008 wurde für die Rettungskräfte im Landkreis Göttingen zu einem schwarzen Tag: Innerhalb weniger Stunden starben bei zwei schweren Verkehrsunfällen zwei Autofahrer. Auf der Ortsumgehung von Lenglern prallte ein Pkw frontal gegen einen 60-Tonnen-Autokran, in der Nacht zuvor war bereits ein 21-Jähriger zwischen Adelebsen und Güntersen tödlich verunglückt.

Frontal gegen den 60-Tonnen-Kran

Gegen 8 Uhr morgens kam für den 34-jährigen Fahrer eines VW Corrado aus Adelebsen jede Hilfe zu spät. Kurz nach dem Alarm rückten zunächst die Berufsfeuerwehr Göttingen mit dem Rüstzug, die Uniwache und die Ortsfeuerwehr Holtensen aus, weil die Unfallstelle zunächst auf der neuen Umgehungsstraße von Holtensen vermutet wurde. Wenig später stellte sich heraus, dass der Unfallort auf der Ortsumgehung von Lenglern lag, im Gebiet der Gemeinde Bovenden. Daraufhin wurden die Feuerwehren Lenglern und Bovenden nachalarmiert; die Feuerwehr Bovenden und die Uniwache konnten die Fahrt kurz darauf abbrechen. Noch während der Anfahrt forderte die Einsatzleitung einen zweiten Autokran an, um den ersten gegebenenfalls anzuheben.

An der Unfallstelle bot sich den Einsatzkräften ein erschütterndes Bild: Der Pkw steckte vollständig unter dem tonnenschweren Kranwagen. Mit Hilfe der kraneigenen Stützen wurde das Fahrzeug angehoben, damit sich der Notarzt des Göttinger Rettungshubschraubers Christoph 44 ein Bild von dem eingeklemmten Fahrer machen konnte. Er konnte jedoch nur noch dessen Tod feststellen. Die Feuerwehr stellte den Brandschutz sicher und streute ausgelaufene Betriebsstoffe ab.

Nach Zeugenaussagen hatte der aus Richtung Adelebsen kommende Fahrer kurz vor der ersten Abzweigung nach Lenglern mit vermutlich weit überhöhter Geschwindigkeit einen vorausfahrenden Pkw überholt. Dabei verlor er die Kontrolle, überfuhr eine Mittelinsel im Einmündungsbereich und prallte frontal mit dem entgegenkommenden Kranwagen einer Göttinger Firma zusammen. Der Kranfahrer blieb unverletzt. Rund 30 Einsatzkräfte waren vor Ort, die Landesstraße blieb bis 12 Uhr voll gesperrt.

Zweiter tödlicher Unfall in derselben Nacht

Nur wenige Stunden zuvor war auf der Landesstraße 559 zwischen Adelebsen und Güntersen ein 21 Jahre alter Autofahrer aus Güntersen ums Leben gekommen. Nach Angaben der Polizei geriet der junge Mann mit seinem VW Golf in einer lang gezogenen Linkskurve nach rechts auf den Grünstreifen. Der Wagen fuhr etwa 20 Meter weiter, prallte gegen einen Grabendurchlass und wurde gegen einen Baum geschleudert, der durch die Wucht des Aufpralls in der Mitte durchbrach. Der Golf kam nach rund 25 Metern in einer sechs Meter tiefen Senke zum Stehen. Der Fahrer wurde aus dem Fahrzeug geschleudert und starb noch an der Unfallstelle. Im Einsatz waren die Feuerwehren Adelebsen und Barterode.

Betroffenheit bei Polizei und Rettungskräften

Polizei und Rettungskräfte nahmen die Häufung der beiden tödlichen Unfälle mit Betroffenheit auf. Nach den ersten Untersuchungen sprach vieles dafür, dass in beiden Fällen die Geschwindigkeit nicht den nassen Straßenverhältnissen angepasst war und in einem Fall der Sicherheitsgurt nicht angelegt wurde. Der Leiter Einsatz der Polizeiinspektion Göttingen appellierte an alle Fahrzeugführer, die Geschwindigkeit den Witterungs- und Straßenverhältnissen anzupassen und sich stets anzuschnallen. Dass zwei tödliche Unfälle auf einen Tag fielen, stellte sich nach seinen Worten als purer Zufall dar.

Schwere Lasten, Luftrettung und die Logik der Nachalarmierung

Der Einsatz von Lenglern zeigt exemplarisch, wie viel Improvisation in einer technischen Hilfeleistung steckt. Ein 60 Tonnen schwerer Autokran lässt sich mit dem hydraulischen Rettungsgerät eines Rüstwagens nicht bewegen — deshalb forderte die Einsatzleitung noch während der Anfahrt einen zweiten Kran an, und letztlich halfen die kraneigenen Abstützungen, das Wrack für den Notarzt zugänglich zu machen. Auch die mehrfache Umalarmierung ist typisch: Ortsangaben aus Notrufen sind auf Umgehungsstraßen oft ungenau, und die Leitstelle muss Zuständigkeiten nachziehen, sobald der tatsächliche Einsatzort feststeht — hier von Holtensen in die Gemeinde Bovenden.

Dass mit Christoph 44 ein Rettungshubschrauber an der Unfallstelle stand, gehört bei schweren Verkehrsunfällen im Landkreis zum Standard: Der Notarzt erreicht die Einsatzstelle auf dem Luftweg meist schneller als jedes bodengebundene Fahrzeug, und bei eingeklemmten Personen zählt jede Minute.


Wie Feuerwehren bei schweren Verkehrsunfällen vorgehen, zeigen weitere besondere Einsätze aus der Region. Hintergründe zum Thema Fahranfänger und Risiko im Straßenverkehr bietet die Seite zum Führerschein; ältere Berichte finden sich im Einsatzarchiv.