Notruf 112 richtig absetzen: Die fünf W-Fragen
Die 112 ist die wichtigste Telefonnummer Europas, und die meisten Menschen wählen sie höchstens ein- oder zweimal im Leben. Genau das ist das Problem: Im Ernstfall fehlt die Routine, der Puls ist oben, und plötzlich fällt einem nicht einmal der eigene Straßenname ein. Wer die Grundregeln einmal in Ruhe gelesen hat, macht am Telefon fast automatisch das Richtige.
Wann ist die 112 richtig?
Die 112 gehört zu Feuerwehr und Rettungsdienst. Sie ist richtig bei jedem Brand, bei Verkehrsunfällen mit Verletzten, bei akuter Lebensgefahr wie Herzinfarkt, Schlaganfall, schwerer Atemnot oder starken Blutungen, und immer dann, wenn Menschen in einer hilflosen Lage sind. Der Anruf ist aus allen deutschen Fest- und Mobilfunknetzen kostenlos, und die Nummer funktioniert EU-weit einheitlich, vom Urlaub in Portugal bis zum Wochenende in Prag.
Für Beschwerden, die zwar behandelt werden müssen, aber nicht lebensbedrohlich sind, gibt es die 116117, den ärztlichen Bereitschaftsdienst: Fieber am Wochenende, eine hartnäckige Erkältung, der verhobene Rücken. Als Faustregel taugt die Frage: Könnte ein Leben oder die Gesundheit ernsthaft in Gefahr sein? Wenn ja oder auch nur vielleicht, dann 112. Niemand muss Sorge haben, "wegen nichts" anzurufen, die Leitstellen sind für Zweifelsfälle da.
Die fünf W-Fragen
Leitstellendisponenten arbeiten ein bewährtes Schema ab. Wer es kennt, spart wertvolle Sekunden:
| Frage | Worauf es ankommt |
|---|---|
| Wo ist es passiert? | Ort, Straße, Hausnummer, Etage; auf Autobahnen Fahrtrichtung und Kilometerangabe, im Gelände markante Punkte |
| Was ist passiert? | Kurz und konkret: Brand, Unfall, bewusstlose Person |
| Wie viele Betroffene? | Anzahl der Verletzten oder Erkrankten, besondere Umstände wie eingeklemmte Personen |
| Wer ruft an? | Name und Rückrufnummer für Nachfragen |
| Warten auf Rückfragen! | Nicht auflegen, bis die Leitstelle das Gespräch beendet |
Die wichtigste Angabe ist das Wo. Ein unvollständiges Was lässt sich per Rückfrage klären, eine falsche Adresse schickt den Rettungswagen in die Irre. Viele Leitstellen können den Standort moderner Smartphones inzwischen automatisch empfangen, verlassen sollte sich darauf niemand.
Der häufigste Fehler ist das zu frühe Auflegen. Das Gespräch beendet immer die Leitstelle, nie der Anrufer. Wer dranbleibt, bekommt bei Bedarf auch telefonische Anleitung zur Ersten Hilfe, bis zur Wiederbelebung.
eCall: Wenn das Auto selbst anruft
Seit März 2018 müssen alle neu typgenehmigten Pkw in der EU das Notrufsystem eCall an Bord haben. Bei einem schweren Aufprall wählt das Fahrzeug automatisch die 112, übermittelt Position, Fahrtrichtung und Fahrzeugdaten und baut eine Sprechverbindung zur Leitstelle auf. Auslösen lässt sich der Notruf auch von Hand über eine SOS-Taste. Gerade auf einsamen Landstraßen, wie sie der Landkreis Göttingen reichlich hat, kann das den Unterschied machen, wenn Insassen nach einem Unfall nicht mehr selbst telefonieren können. Wie drastisch die Folgen sein können, wenn Alkohol im Spiel ist, dokumentiert der Bericht über einen Alkoholunfall im Landkreis.
Bis die Hilfe eintrifft
Nach dem Anruf beginnt der Teil, der vielen schwerer fällt als das Telefonat: handeln. Unfallstelle absichern, Warnblinker und Warndreieck, Warnweste an. Verletzte ansprechen, Atmung kontrollieren, bei Bewusstlosigkeit stabile Seitenlage oder, wenn die Atmung fehlt, Herzdruckmassage. Nachts Licht anschalten und die Einsatzkräfte am Straßenrand einweisen, das spart oft Minuten. Was Feuerwehren im Landkreis nach solchen Alarmierungen leisten, zeigen die Berichte über besondere Einsätze aus über zwei Jahrzehnten.
Häufige Fragen zum Notruf 112
Was kostet ein Anruf bei der 112?
Nichts. Der Notruf ist aus allen Netzen kostenlos, vom Festnetz, vom Handy und von öffentlichen Telefonen. Das gilt in der gesamten EU.
Wann wähle ich 112 und wann 116117?
Die 112 bei Lebensgefahr und allen akuten Notfällen, die 116117 beim ärztlichen Bereitschaftsdienst für Beschwerden, die bis zum nächsten Praxistermin nicht warten können, aber nicht bedrohlich sind. Im Zweifel gilt immer die 112.
Funktioniert der Notruf ohne Netz des eigenen Anbieters?
Ja. Das Handy nutzt für die 112 jedes verfügbare Mobilfunknetz, auch fremde. Eine eingelegte SIM-Karte ist in Deutschland allerdings Voraussetzung, ohne sie wird der Notruf nicht vermittelt.
Was ist eCall?
Ein EU-weit vorgeschriebenes Notrufsystem in Pkw, Pflicht für alle seit März 2018 neu typgenehmigten Modelle. Es wählt bei einem schweren Unfall automatisch die 112 und übermittelt den Standort des Fahrzeugs.
Ich habe versehentlich die 112 gewählt. Was nun?
Dranbleiben und den Irrtum kurz erklären, statt aufzulegen. Ein abgebrochener Anruf kann eine Rückruf- und Prüfprozedur auslösen. Ein ehrliches "verwählt" kostet zehn Sekunden und ist völlig unproblematisch.
Was passiert bei absichtlichem Missbrauch des Notrufs?
Der Missbrauch von Notrufen ist eine Straftat und kann zudem die Kosten für unnötige Einsätze nach sich ziehen. Gemeint sind bewusste Falschmeldungen, nicht gut gemeinte Anrufe, die sich als harmlos herausstellen.
Ich spreche kaum Deutsch. Kann ich trotzdem anrufen?
Ja. Viele Leitstellen können Notrufe auf Englisch entgegennehmen, und die 112 gilt europaweit. Wichtig sind auch mit wenigen Worten die Kernangaben: Ort und Art des Notfalls.