kfv-goe.de
Region: Landkreis Göttingen Themen: Feuerwehr · Brandschutz · Verkehr

Tödlicher Unfall auf der A7 bei Göttingen im September 2003

22. September 2003 Verkehrsunfall A7 bei Göttingen

"Schwerer Verkehrsunfall mit mehreren Eingeklemmten": So lautete das Alarmstichwort, das die Berufsfeuerwehr Göttingen am Montagmittag des 22. September 2003 gegen 13.30 Uhr erreichte. Auf der Autobahn 7 hatte sich zwischen der Anschlussstelle Göttingen und der Raststätte Göttingen ein folgenschwerer Unfall ereignet. Eine 51-jährige Frau wurde getötet, insgesamt neun Personen erlitten zum Teil schwere Verletzungen.

Sekundenschlaf am Stauende

Nach Auskunft der Polizei war ein in Richtung Süden fahrender, unbeladener Sattelzug auf ein Wohnmobil aufgefahren, das an einem Stauende verkehrsbedingt halten musste. Der Fahrer des Lastzugs war kurz eingeschlafen. Durch die Wucht des Aufpralls wurde das Wohnmobil auf einen davor stehenden Reisebus geschoben und auf etwa zwei Meter zusammengepresst.

Der Fahrer des Wohnmobils und seine Frau wurden dabei schwer eingeklemmt. Für die Frau kam jede Hilfe zu spät, sie erlag ihren Verletzungen. Ihr Ehemann wurde ebenso wie der Lkw-Fahrer schwer verletzt. Im Reisebus zogen sich acht Personen leichte Verletzungen zu.

Rettungszug und Freiwillige Feuerwehr im Einsatz

Die Berufsfeuerwehr Göttingen rückte mit dem Rettungszug an, unterstützt von der Freiwilligen Feuerwehr Rosdorf. Die Einsatzkräfte mussten die eingeklemmten Insassen des zusammengepressten Wohnmobils befreien, während der Rettungsdienst die Verletzten aus dem Reisebus versorgte.

Die A7 blieb in Richtung Süden mehrere Stunden voll gesperrt. Auf den Umleitungsstrecken durch die umliegenden Orte kam es zu erheblichen Behinderungen, der Verkehr staute sich weiträumig. Den Sachschaden schätzte die Polizei auf rund 180.000 Euro.

Die A7 als Einsatzschwerpunkt der Region

Unfälle wie dieser gehören zu den anspruchsvollsten Lagen für die Wehren der Region. Die Bundesautobahn 7 durchquert den Landkreis Göttingen auf einer Länge von über 40 Kilometern; mehr dazu steht in der Übersicht zum Verbandsgebiet. Auffahrunfälle an Stauenden, eingeklemmte Personen und lange Vollsperrungen prägen diese Einsätze immer wieder. Schon in den Jahren zuvor tauchten schwere Verkehrsunfälle und ein Lkw-Unfall aus dem Herbst 2000 in der Liste der besonderen Einsätze des Verbands auf. Die Autobahn blieb damit ein ständiger Faktor in der Einsatzplanung der Wehren entlang der Strecke.

Dass am Ende einer solchen Kette oft ein Moment der Unaufmerksamkeit steht, macht den Fall vom September 2003 besonders bedrückend. Ein kurzer Sekundenschlaf genügte, um eine Frau das Leben zu kosten, neun Menschen zu verletzen und die wichtigste Nord-Süd-Achse Deutschlands für Stunden zu blockieren.

Was hinter dem Alarmstichwort steckt

Das Stichwort „Schwerer Verkehrsunfall mit mehreren Eingeklemmten" setzt bei der Berufsfeuerwehr Göttingen eine feste Kette in Gang: Der Rettungszug kombiniert Rüstwagen, Löschfahrzeug und Rettungsdienst-Komponenten, sodass Menschenrettung, Brandschutz und Erstversorgung gleichzeitig anlaufen können. Bei einem auf zwei Meter zusammengepressten Wohnmobil ist hydraulisches Rettungsgerät — Schere und Spreizer — das zentrale Werkzeug; die Trupps müssen sich Zentimeter für Zentimeter vorarbeiten, während der Rettungsdienst parallel die Verletzten aus dem Reisebus sichtet und versorgt. Dass mit der Freiwilligen Feuerwehr Rosdorf die örtlich zuständige Wehr mitalarmiert wurde, entspricht der Einsatzplanung für den Autobahnabschnitt: Auf der A7 zählt die Zahl der verfügbaren Hände mehr als jede Zuständigkeitsgrenze.

Stauenden bleiben die gefährlichste Stelle der Autobahn

Der Unfallhergang vom September 2003 — ein Lkw fährt ungebremst auf ein Stauende auf — gehört bis heute zu den häufigsten Mustern schwerer Autobahnunfälle. Sekundenschlaf kündigt sich zwar an, wird aber gerade von Berufskraftfahrern auf monotonen Strecken oft unterschätzt. Für nachfolgende Fahrer gilt seither unverändert: Abstand halten, am Stauende Warnblinker setzen und eine Rettungsgasse bilden, denn jede Minute, die Rüstzug und Rettungsdienst im Stau verlieren, fehlt den Eingeklemmten. Die mehrstündige Vollsperrung mit weiträumigen Umleitungen, wie sie dieser Einsatz nach sich zog, ist dabei der unvermeidbare Preis einer gründlichen Rettung und Unfallaufnahme.


Der Unfall vom 22. September 2003 reiht sich ein in eine Serie schwerer Verkehrsunfälle, die die Feuerwehren im Landkreis Göttingen über die Jahre beschäftigt haben. Eine Auswahl weiterer besonderer Einsätze gibt einen Eindruck von dieser Arbeit; im Einsatzarchiv sind zusätzliche Berichte aus den 2000er Jahren gesammelt.