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Region: Landkreis Göttingen Themen: Feuerwehr · Brandschutz · Verkehr

Brennender Autoreisezug stoppt im Bahnhof Göttingen 2007

15. September 2007 Verkehrsunfall Göttingen

Ein Brand auf einem Autoreisezug hat in der Nacht zum 4. September 2007 zur Sperrung des Hauptbahnhofs Göttingen geführt. Auf dem letzten Wagen des Zuges 01499 war aus zunächst ungeklärter Ursache ein VW Sharan in Brand geraten. Drei Personenwagen brannten vollständig aus: der Sharan, ein Land Rover und ein VW Multivan. Acht weitere Autos und zwei Motorräder wurden beschädigt, unter anderem durch Lackschäden, geplatzte Scheiben und verformte Kunststoffteile. Das teilten das Bundespolizeiamt Hannover und die Polizei Göttingen mit.

Der Nachtzug war auf dem Weg von Niebüll bei Sylt nach Kornwestheim bei Stuttgart. Das Feuer muss irgendwo auf der Strecke zwischen Hannover und Göttingen ausgebrochen sein. Gegen 2.40 Uhr wurde der Zug im Hauptbahnhof Göttingen auf Gleis 6 gestoppt.

Von der ersten Meldung zum kompletten Löschzug

Die erste Meldung für die Göttinger Feuerwehr klang harmlos: Ein Pkw solle am Bahnhof brennen. Daraufhin wurde zunächst ein Hilfeleistungs-Löschfahrzeug (HLF) der Berufsfeuerwehr alarmiert. Als die Meldung präzisiert wurde, schickte die Leitstelle den gesamten Löschzug zur Einsatzstelle. Vor Ort zeigte sich das wahre Ausmaß: Drei Pkw standen auf einem Waggon in Vollbrand.

Bevor gelöscht werden konnte, erdete der Notfallmanager der Bahn die Oberleitung. Der brennende Waggon wurde vom übrigen Zug abgekoppelt und mit einer Diesellok einige Meter zurückgezogen.

Löscharbeiten über der Godehardstraße

Der Brandort lag direkt oberhalb der Godehardstraße. Über eine Steckleiter transportierten die Einsatzkräfte Löschschaum und Strahlrohre von der Straße auf den Bahnsteig. Mit einem Wenderohr über die Drehleiter, die ebenfalls auf der Godehardstraße stand, und einem B-Rohr mit Mittelschaum brachten sie das Feuer innerhalb kurzer Zeit unter Kontrolle. Die Flammen hatten zuvor meterhoch aus den Fahrzeugen geschlagen.

Zur Unterstützung wurde die Ortsfeuerwehr Stadtmitte alarmiert. Die Ortsfeuerwehr Geismar stellte währenddessen die Bereitschaft auf der Hauptwache sicher. Insgesamt waren etwa 40 Feuerwehrleute im Einsatz. Die Godehardstraße blieb längere Zeit voll gesperrt, die Bundespolizei riegelte den Hauptbahnhof ab.

165 Fahrgäste mit Zwangspause, keine Verletzten

Die 165 Fahrgäste hatten den Zug im Bahnhof verlassen. Verletzt wurde niemand. Gegen 4.10 Uhr war der Brand gelöscht, der Bahnhof wurde teilweise wieder freigegeben. Auf den Gleisen 5 und 6 untersuchten Fachleute die Oberleitungen auf mögliche Brandschäden. "Der Autoreisezug ist um 5.26 Uhr weitergefahren", sagte ein Sprecher der Bundespolizei.

Die Polizeiinspektion Göttingen übernahm den Ereignisort und beschlagnahmte drei Fahrzeuge für weitere Ermittlungen. Brandursache und Schadenshöhe standen zunächst nicht fest, Hinweise auf ein Fremdverschulden lagen nicht vor. Der Göttinger Stadtbrandmeister ordnete die Lage nüchtern ein: Es habe sich um einen ungewöhnlichen, aber keinen allzu großen Einsatz gehandelt.

Warum Einsätze an Bahnanlagen besonders heikel sind

Ein Fahrzeugbrand auf einem Bahnwaggon unterscheidet sich deutlich von einem Pkw-Brand auf der Straße, und der Einsatz vom September 2007 zeigt die typischen Hürden im Zeitraffer. Die größte Gefahr hängt buchstäblich über der Einsatzstelle: Die Oberleitung führt eine Spannung von 15.000 Volt, und schon die Annäherung mit einem Strahlrohr oder einer Leiter kann ohne Abschaltung lebensgefährlich sein. Deshalb darf mit den Löscharbeiten erst begonnen werden, wenn die Fahrleitung abgeschaltet und geerdet ist — eine Aufgabe, die nur der Notfallmanager der Bahn veranlassen kann. Diese Wartezeit müssen Einsatzkräfte aushalten, auch wenn die Flammen bereits meterhoch schlagen.

Hinzu kommt die Zugänglichkeit: Bahnsteige und Gleisanlagen liegen oft abseits der Straßen, Löschfahrzeuge kommen nicht unmittelbar heran. In Göttingen löste die Feuerwehr das Problem über die parallel verlaufende Godehardstraße — mit Steckleitern als Transportweg für Material und der Drehleiter als erhöhtem Angriffspunkt. Dass brennende Fahrzeuge auf einem Autotransportwaggon zudem dicht an dicht stehen, erklärt die schnelle Ausbreitung auf drei Pkw und die Schäden an acht weiteren: Strahlungswärme und brennender Kraftstoff finden auf engstem Raum reichlich Nahrung. Mittelschaum, wie er hier eingesetzt wurde, erstickt solche Brände deutlich wirksamer als Wasser allein.


Bahnanlagen gehören zu den anspruchsvolleren Einsatzorten im Raum Göttingen: Die Schnellfahrstrecke der Bahn führt mit sieben Tunneln durch den Landkreis, wie die Übersicht zum Verbandsgebiet zeigt. Weitere besondere Einsätze und ältere Berichte sind im Einsatzarchiv dokumentiert.