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Region: Landkreis Göttingen Themen: Feuerwehr · Brandschutz · Verkehr

Übung im Heidkopftunnel: Menschenrettung unter echtem Qualm

Stand: 12. Juli 2026 Redaktion kfv-goe.de

Alarm für zehn Feuerwehren aus der Gemeinde Friedland am Vormittag des 13. November 2004. Das Einsatzziel: der im Bau befindliche Heidkopftunnel bei Reiffenhausen, an dem die künftige Autobahn 38 die Landesgrenze nach Thüringen unterquert. Für eine realitätsnahe Übung waren dort Bedingungen geschaffen, wie sie sich kaum besser stellen lassen. Echter Qualm, echte Bauarbeiter, echte Enge.

Das Szenario: Feuer in 1300 Metern Tiefe

Zwei Nebelmaschinen füllten die Nordröhre des Heidkopftunnels fast vollständig mit Rauch und drückten die Sichtweite auf wenige Meter. Als Lage wurde angenommen, dass in 1300 Metern Tiefe ein Brand ausgebrochen war. Drei Bauarbeiter hatten sich demnach in den Rettungscontainer flüchten können, ein weiterer Mitarbeiter lag eingeklemmt unter einer Maschine. Für die Übung wurden die Bauarbeiten eigens unterbrochen; Beschäftigte der Baustelle wirkten als Darsteller mit, ausgestattet unter anderem mit sogenannten Selbstrettern.

Vier Stunden Luft statt 25 Minuten

Ein Tunnelbrand verlangt anderes Gerät als ein Wohnungsbrand. "Die Vorgehensweise bei Bränden im Tunnel ist anders als bei normalen Einsätzen", erläuterte der Gemeindebrandmeister während der Übung. "Hier müssen wir besondere Atemschutzgeräte benutzen." Gemeint waren sogenannte Regenerationsgeräte, mit denen ein Feuerwehrmann bis zu vier Stunden im giftigen Rauch arbeiten kann. Bei normalen Atemluftgeräten ist der Vorrat bereits nach etwa 25 Minuten verbraucht. Bei Anmarschwegen von über einem Kilometer unter Tage ist das der Unterschied zwischen einem Rettungsversuch und einem Abbruch.

Die Trupps rüsteten sich an einem Feuerwehr-Container vor dem westlichen Tunnelportal mit den Geräten aus und fuhren anschließend mit Feuerwehrfahrzeugen in den Tunnel hinein. Genutzt wurde dabei stets die Röhre, die nicht vom Brand betroffen war. Von dort ging es zu Fuß weiter zur Einsatzstelle. Neben den Löschfahrzeugen standen auch der Rettungswagen aus Friedland und der Rüstwagen aus Groß Schneen bereit. Am Ende war die eingeklemmte Person gerettet, die Übung galt als gelungen.

Warum gerade dieser Tunnel

Der Heidkopftunnel war zum Übungszeitpunkt das größte Bauwerk der neuen Autobahn 38 in der Region. Anfang des folgenden Jahres sollte der Durchbruch der beiden Tunnelröhren auf Thüringer Seite erfolgen, Ende 2006 sollte die A38 durchgängig bis Halle befahrbar sein. Für die Feuerwehren der Gemeinde Friedland bedeutete das: Mit der Eröffnung würde vor ihrer Haustür ein Einsatzort entstehen, der lange Anmarschwege, begrenzte Sicht und besondere Belüftungsverhältnisse vereint. Wer dort im Ernstfall bestehen will, muss vorher geübt haben.

Dass sich dieser Aufwand auszahlt, hatten die Wehren des Landkreises bereits erlebt. Im September 1998 probten rund 270 Einsatzkräfte im Leinebuschtunnel der ICE-Strecke eine Zugentgleisung mit 30 Verletzten. Nur ein knappes halbes Jahr später brannte im selben Tunnel tatsächlich ein entgleister Güterzugwaggon, und die geübten Abläufe trugen die Kräfte durch den Ernstfall.

Tunnelübungen unter realem Qualm sind selten, weil sie den Baubetrieb unterbrechen. Der Termin im November 2004 nutzte das kurze Zeitfenster zwischen Rohbau und Verkehrsfreigabe des Heidkopftunnels.


Wie berechtigt solche Vorbereitung ist, hatte die Region da längst erlebt: Beim Güterzugbrand im ICE-Tunnel im März 1999 mussten Freiwillige Feuerwehren einen brennenden Waggon tief im Leinebuschtunnel löschen. Die Schnellfahrstrecke der Bahn passiert im Landkreis sieben Tunnel, wie die Übersicht zum Verbandsgebiet zeigt. Weitere besondere Einsätze aus der Region sind in der Einsatzübersicht dokumentiert.