Maschinist für Löschfahrzeuge: Ausbildung und Trockensaugprobe
Ohne Maschinisten fährt kein Löschfahrzeug aus der Halle. Der Maschinist bringt die Mannschaft zur Einsatzstelle, bedient dort die Feuerlöschkreiselpumpe und hält Stromerzeuger, Tauchpumpen und Motorsägen am Laufen. Im Landkreis Göttingen wird diese Funktion in einem eigenen Kreislehrgang ausgebildet, traditionell verteilt auf zwei Wochenenden mit Theorie am Abend und viel Praxis am Gerät.
Was ein Maschinist können muss
Die Aufgaben gehen weit über das Fahren hinaus. An der Einsatzstelle sorgt der Maschinist dafür, dass Wasser mit dem richtigen Druck am Strahlrohr ankommt, egal ob es aus dem Hydranten, dem Fahrzeugtank, einem Löschwasserbrunnen oder einem offenen Gewässer stammt. Er überwacht die Pumpe während des gesamten Einsatzes, beseitigt Störungen und ist zugleich für die kraftbetriebenen Geräte auf dem Fahrzeug verantwortlich. Nach dem Einsatz gehören Pflege und Wartung dazu, denn eine Pumpe, die beim nächsten Alarm kein Wasser fördert, ist wertlos.
Der Lehrgang im Landkreis Göttingen
Der Stundenplan des Kreislehrgangs liest sich dicht gepackt. Das erste Wochenende gehört den Grundlagen: Aufgabenbereiche des Maschinisten, Motorenkunde und vor allem die Feuerlöschkreiselpumpe, von den Pumpenarten über Aufbau und Entlüftungseinrichtungen bis zur praktischen Bedienung. Schon am ersten Samstag steht die Trockensaugprobe auf dem Programm, gefolgt von der Wasserentnahme aus offenen Gewässern, Saugschacht und Löschwasserbrunnen. Der Sonntag vertieft Pumpenbetriebsprüfungen, Störungsbeseitigung und die Wasserförderung über lange Wegstrecken mit offener und geschlossener Schaltreihe.
Das zweite Wochenende widmet sich den kraftbetriebenen Geräten: Tragkraftspritzen, Stromerzeuger, Lüftungsgeräte, Motorsägen, Trennschleifer, Tauch- und Wasserstrahlpumpen. Dazu kommen erneut Pumpenprüfungen samt Trockensaugprobe, der Tankbetrieb mit dem Tanklöschfahrzeug und die Rechtsgrundlagen. Den Abschluss bilden ein praktischer und ein schriftlicher Leistungsnachweis. Unterrichtet wird von einem Team aus Kreisausbildern; die Details der Lehrgangsorganisation regelt die Kreisebene, überregionale Vorgaben kommen über die Rundschreiben des Landesfeuerwehrverbands.
Die Trockensaugprobe: Der Gesundheitscheck der Pumpe
Kein anderes Stichwort taucht im Stundenplan so beharrlich auf wie die Trockensaugprobe, und das hat seinen Grund. Sie ist der Standardtest, mit dem Maschinisten prüfen, ob Pumpe und Entlüftungseinrichtung dicht sind und beim Ernstfall Wasser ansaugen können.
Der Ablauf: Alle Druckabgänge werden geschlossen, der Saugeingang wird mit einer Blindkupplung verschlossen. Dann setzt der Maschinist die Entlüftungseinrichtung in Gang, die Luft aus dem Pumpenraum saugt und so einen Unterdruck erzeugt. Als Richtwert gilt: Die Pumpe muss in kurzer Zeit einen Unterdruck von mindestens 0,8 bar erreichen. Anschließend wird die Entlüftung abgestellt und beobachtet, wie schnell der Unterdruck abfällt; üblich ist die Vorgabe, dass er in der ersten Minute nur um etwa 0,1 bar sinken darf. Fällt er schneller, zieht die Pumpe irgendwo Nebenluft, etwa über eine defekte Dichtung, einen nicht ganz geschlossenen Abgang oder eine undichte Kupplung.
Eine bestandene Trockensaugprobe heißt: Die Pumpe könnte jetzt aus vier Metern Tiefe Wasser ansaugen. Geübt wird das im Lehrgang — und danach immer wieder bei der regelmäßigen Geräteprüfung im Feuerwehrhaus.
Im Einsatz zahlt sich die Routine aus. Wer die Trockensaugprobe beherrscht, findet Undichtigkeiten, bevor sie am offenen Gewässer zum Problem werden, wenn die Pumpe trotz laufender Entlüftung kein Wasser hebt und jede Minute zählt.
Voraussetzungen und Führerscheinfrage
Zum Lehrgang zugelassen werden aktive Feuerwehrmitglieder mit abgeschlossener Grundausbildung. Die Fahrerlaubnis ist ein Kapitel für sich: Maschinist im Sinne der Ausbildung kann auch sein, wer kein schweres Fahrzeug fahren darf, denn Pumpenbedienung und Fahrberechtigung sind getrennte Fragen. Praktisch wird es trotzdem eng, weil viele Löschfahrzeuge mehr als 3,5 Tonnen wiegen und damit über die Pkw-Klasse hinausgehen. Wie die Gemeinden im Landkreis Göttingen ihre Einsatzkräfte beim Erwerb des Lkw-Führerscheins unterstützen, ist deshalb seit der EU-Führerscheinreform ein Dauerthema. Ausgebildet wird im Landkreis unter anderem im Feuerwehrzentrum Potzwenden, das seit 1978 als Ausbildungsstätte für Maschinisten anerkannt ist.
Häufige Fragen zur Maschinistenausbildung
Was ist die Trockensaugprobe?
Ein Dichtheits- und Funktionstest der Feuerlöschkreiselpumpe. Bei verschlossenem Saugeingang erzeugt die Entlüftungseinrichtung einen Unterdruck von mindestens 0,8 bar; fällt er danach schneller als etwa 0,1 bar pro Minute ab, ist die Pumpe undicht.
Wie lange dauert der Maschinistenlehrgang?
Im Landkreis Göttingen erstreckt sich der Kreislehrgang über zwei Wochenenden, jeweils von Freitagabend bis Sonntagmittag, mit Theorie- und Praxisanteilen und abschließendem Leistungsnachweis.
Wer darf am Lehrgang teilnehmen?
Aktive Mitglieder der Feuerwehren mit abgeschlossener Grundausbildung. Die Anmeldung läuft über die eigene Ortsfeuerwehr und die Gemeinde- beziehungsweise Kreisebene.
Braucht ein Maschinist zwingend einen Lkw-Führerschein?
Für die Pumpenbedienung nicht. Wer aber Löschfahrzeuge über 3,5 Tonnen fahren soll, braucht die passende Fahrerlaubnisklasse. Viele Gemeinden bezuschussen deshalb den Führerscheinerwerb ihrer Einsatzkräfte.
Was wird im Lehrgang praktisch geübt?
Bedienung der Feuerlöschkreiselpumpe, Trockensaugprobe, Wasserentnahme aus Hydrant, Tank, Brunnen und offenen Gewässern, Wasserförderung über lange Strecken sowie der Umgang mit Stromerzeugern, Motorsägen, Trennschleifern und Tauchpumpen.
Wie oft muss eine Pumpe geprüft werden?
Neben der Sichtprüfung nach jedem Einsatz gehören regelmäßige Pumpenbetriebsprüfungen samt Trockensaugprobe zur laufenden Gerätewartung im Feuerwehrhaus. Die Intervalle richten sich nach den Prüfvorschriften und den Vorgaben des Herstellers.
Gibt es eine Abschlussprüfung?
Ja. Der Lehrgang endet mit einem praktischen Leistungsnachweis am Gerät und einem schriftlichen Test, dazu kommt eine Abschlussbesprechung mit der Lehrgangsleitung.