Die GöCam: Göttingens Webcam aus den frühen 2000er Jahren
Wer in den frühen 2000er Jahren wissen wollte, wie das Wetter in Göttingen gerade aussah, musste nicht aus dem Fenster schauen. Ein Blick auf die GöCam genügte. Das Webcam-Projekt gehörte damals zu den regionalen Internetadressen der Stadt und wurde unter anderem in der Linksammlung der Göttinger Feuerwehrseiten geführt, gleich neben Zeitung, Hilfsorganisationen und Stadtverwaltung.
Standbilder statt Livestream
Webcams jener Zeit funktionierten anders, als man es heute von Livestreams kennt. Eine Kamera lieferte in festen Abständen ein einzelnes Standbild, das auf den Server geladen und im Browser angezeigt wurde. Wer aktuelle Ansichten sehen wollte, lud die Seite neu. Von der GöCam kursierten Beispielfotos aus zwei Kameraperspektiven, die als eine Art Cache gesammelt wurden, damit Besucher auch dann etwas zu sehen bekamen, wenn gerade kein frisches Bild verfügbar war.
Warum Webcams damals eine kleine Sensation waren
Aus heutiger Sicht wirkt ein Bild vom Marktplatz banal. Anfang der 2000er war es das nicht. Flatrates waren noch nicht selbstverständlich, Smartphones existierten nicht, und ein Foto, das sich von selbst aktualisierte, hatte etwas Magisches. Städte-Webcams wurden zu Klick-Lieblingen: Pendler prüften das Wetter, Ausgewanderte warfen einen Blick in die alte Heimat, und Technikbegeisterte bastelten an eigenen Kameras. In vielen Städten entstanden so private Projekte, die ohne Auftrag und Budget ein Stück Lokalgeschichte dokumentierten.
Die GöCam war Göttingens Beitrag zu dieser Bewegung. Wie die meisten Webcam-Projekte jener Jahre verschwand sie irgendwann wieder aus dem Netz, so leise, wie sie gekommen war. Geblieben sind die zwischengespeicherten Beispielbilder und die Einträge in alten Linklisten, die von ihr erzählen. Für die Netzgeschichte der Stadt sind gerade solche Spuren wertvoll, weil sie zeigen, wie früh sich Göttingen im Internet selbst ein Bild von sich machte.
Solche Fundstücke aus dem frühen Göttinger Internet sammelt auch die Rubrik Kurioses. Einen Eindruck davon, welche regionalen Seiten damals verlinkt wurden, gibt der Überblick über die Feuerwehren in der Region.